Aktivreise auf der Insel Borneo

Reisebericht von Reiseleiter Heinz Geiser

 

Immer wieder hört der Tourist diesen Satz von den Einheimischen in dieser östlichen Provinz vom Malaysia. Lachende Gesichter und vor allem der Stolz dieser Menschen sind wohl die Gründe, dass man ihn immer wieder auf der Strasse hört: Sabah - Heart of Borneo. Während einer unvergesslichen Radreise auf der Insel Borneo habe ich selber erfahren, dass dieser Satz seine Berechtigung hat.

Sabah, eine Provinz mit vielen Gesichtern

Herrliche Natur mit seiner Tier- und Pflanzenwelt, traumhafte Strände, Schmelztiegel diverser Kulturen, Rassen und Religionen, welche bis heute ein friedliches Dasein als wohl ihren grössten Schatz bewahren konnten.

Doch auch Sabah hat wie viele Länder dieser Region auch eine wechselvolle Geschichte. Malaysia und so auch Sabah war lange Zeit eine Überseekolonie des Britischen Empires, viele Bauten und auch der Linksverkehr sind Zeugnisse.

Doch das weitaus düsterste Kapitel in der Geschichte des Landes war der Überfall der Japaner während des 2. Weltkriegs. Die wohl schwärzesten Tage und Wochen waren die so genannten "Todesmärsche von Malaysia". Mehr als 2500 alliierten Soldaten wurden von Singapur nach Sandakan gebracht und da in Lager gesteckt. Mit Hilfe dieser Soldaten wollten die Japaner neue Flugplätze und sonstige Infrastruktur bauen. Zu diesem Zweck wurden die Kriegsgefangenen auf insgesamt drei Todesmärsche geschickt, das Ziel war das über 250 km entfernte Ranau.

Bis auf 6 Kriegsgefangene, welchen die Flucht gelang, verstarben alle an Hunger, Krankheiten und Greueltaten seitens der Japaner.

Aber nicht nur dies ist Sabah, es sind auch riesige Ölpalmen-Monokulturen, welche die von Menschenhand geschaffene Landschaft nachhaltig prägen.

Dazu jedoch auch die ungemein vielfältigen Angebote für Aktivurlaub, siehe auch die offizielle Website von Sabah Tourism.

Bikereise auf der Insel Borneo

Die Provinz Sabah auf dem Fahrrad erleben

Sabah erleben, doch nicht nur mit dem Auto oder Bus, sondern auf einer Reise mit dem Mountainbike gibt dem Abenteuerlustigen die Möglichkeit, die vielen Facetten dieser Gegend auf eine ganz andere Art zu bereisen und zu entdecken.

Während einer 14-tägigen Rundreise mit dem Fahrrad, per Bus und Boot sowie zu Fuss konnte ich zusammen mit 15 Teilnehmern und einheimischen Begleitern Sabah von einer ganz anderen Seite erleben, denn bei dieser Reise stand nicht nur das Biken im Vordergrund, sondern der Kontakt zur Bevölkerung und deren Kultur.

Diese Reise begann und endete in der Hauptstadt von Sabah, in Kota Kinabalu. Es folgten Bike-Etappen auf Teerstrassen und auf unbefestigten Wegen durch herrliche Landschaften aber auch durch weite Ölpalmenplantagen. Gegessen wurde so oft als möglich in lokalen Restaurants oder auch in kleinen Imbissständen.

River Rafting – Nasses Vergnügen

Nebenbei kommt auch das Abenteuer nicht zu kurz, so richtig nass wurde es bei einem tollen River Rafting auf einem der unzähligen Flüsse Sabahs. Unterwegs besuchten wir immer wieder lokale Märkte. Faszinierend ist die Vielfalt an Farben und Formen, auch die Nase wird öfters von den zum Teil sehr speziellen Düften arg gefordert, speziell in den "Abteilungen" Fisch und Fleisch aber auch das getrocknete Allerlei an Pflanzen und Getier verströmten ganz spezielle Duftnoten.

Zu Gast bei Einheimischen

Eine Nacht verbrachten wir in einem Langhaus, welche früher als "Wohnungen" dienten und heute von Touristen besucht werden können. Sehr speziell ist, dass die ganze Konstruktion aus Bambus über dem Boden auf Stelzen errichtet wurde.

Mit dem Bike durch die wunderschönen Landschaften Sabahs

Menschenaffen

Nach Möglichkeiten besuchten wir auch Schulen und kleine Tempel, unsere lokalen Begleiter vermittelten uns immer wieder Neues und Interessantes. Auf Sepilok besuchten wir das Orang Utan Rehabilitierungszentrum, welches viel Interessantes über diese bedrohten Menschenaffen vermittelte. Auf einem kleinen Rundgang wurden diese Affen auf einer Plattform gefüttert, aufpassen mussten wir nur auf die recht zudringlichen Langschwanz-Makaken.

Höhlen erforschen

Auch stand der Besuch einer Schwalbenhöhle auf dem Programm. In diesen Höhlen werden die kunstvollen aus Speichel bestehenden Vogelnester sorgsam gehütet und nach der Brutzeit der Schwalben werden die Nester auf abenteuerliche und gefährlichen Art und Weise heruntergeholt. Diese Nester gelten in China als Delikatesse, denn daraus wird eine Vogelnester-Suppe hergestellt, die Chinesen bezahlen ein kleines Vermögen dafür.

 

Affe in der Natur Borneos

Auf dem Dschungel-Fluss

Einen wirklichen Höhepunkt erlebten wir, als wir von unserem Myne Resort aus auf dem Kinabatangan River je eine Flusstour am späten Nachmittag und frühen Morgen unternahmen. Es sind unvergessliche Momente, als wir fast auf Tuchfühlung die Zwergelefanten zu Gesicht bekamen. Nur wenige Meter trennten uns von jeweils einer kleinen Herde Alttiere mit ihren Jungen. Sie liessen sich weder beim Fressen noch beim Baden stören. Wenn die Elefanten dann genug von uns hatten, so blies das weibliche Oberhaupt in vollen Tönen, somit bestand kein Zweifel, dass wir sie nun in Ruhe lassen müssen.

Besteigung des Mount Kinabalu

Der wirklich grösste Höhepunkt folgte, als wir den mit 4100 Meter höchsten Berg in Südostasien, den Mount Kinabalu bestiegen. Auf einer Strecke von rund 8,7 Kilometer ist ein Höhenunterschied von 2300 Meter zu bewältigen, schnell, sehr schnell wurde uns klar, dass es steil werden wird.

Es wurde zu einer wirklichen Herausforderung, denn das Klima und Wetterbedingungen entschieden schlussendlich über das Abenteuer der Besteigung. Stetig ging es steil bis sehr steil bergauf, endlose Treppenstufen sowie hohe Stufen erfordern eine gute Kondition und Ausdauer, denn hier oben ist alles feucht und bisweilen nass, so auch das Wurzelgeflecht, grobe Steine und eben die erwähnten Stufen. Das erste Zwischenziel war die Hütte auf rund 3300 Meter, dort war es dann auch möglich, etwas zu essen und einen warmen Tee zu geniessen, denn die Temperaturen gingen immer mehr zurück. Um 14 Uhr mussten wir uns dann entscheiden, ob wir die letzten 800 Höhenmeter noch am gleichen Tag unter die Füsse nehmen oder wir dann den Gipfel am nächsten Tag besteigen werden. Dann Punkt 14 Uhr fiel die Entscheidung: Auf zum Gipfel!

Im dichten Nebel und ohne Gewissheit auf gute Sicht nahmen wir die letzten 800 Höhenmeter unter die Füsse. Schon bald klarte sich das Wetter auf, die letzten Meter bis zum Gipfel hatten wir klare Rundumsicht, doch ebenso schnell zog ein heftiges Gewitter auf, die Blitze waren bedrohlich nahe. Und wir standen da – schutzlos. Rasch wurden die Stöcke weg von der Gruppe deponiert, doch das mulmige Gefühl blieb. Doch so schnell wie es aufgezogen war, lösten sich die Gewitterwolken wieder auf und es herrschte absolute Stille.

Nach einem kurzen und steilen Schlussaufstieg hatten wir es geschafft! Wir standen müde aber glücklich auf 4100 Meter! Jeder Schweisstropf, jeder noch so bleierne Schritt hat sich gelohnt. Schnell wurden diverse Gipfelfotos geknipst, denn lange konnten wir uns nicht auf dem Gipfel aufhalten, denn schon bald wieder kroch der Nebel still und heimlich heran und dann regnete es auch noch, der Zeitpunkt  zum Aufbruch war gekommen. Zufrieden und ohne jegliche Schwierigkeiten kehrten wir zur Hütte zurück, wo wir die Nacht in Massenlagern verbrachten, bevor uns der lange und beschwerliche Abstieg zum Ausgangspunkt erwartete.

In der Tat  war es für die Knie eine Tortur und dann dieser Gegenverkehr! Alles Material für die Hütte wurde von Trägern hochgeschleppt, selbst jedes Reiskorn bis zu Tischen und Stühle fanden auf diese Art und Weise den Weg bis zur Hütte. Und dann die Schuhe dieser Träger! Ich habe schon selber ab und zu Mühe mit den Flip Flops am Strand, die Träger rannten damit schon fast den Berg hoch, in ausgelatschten Flip Flops und mit schweren Lasten. Beim Abstieg wurde ich dann auch wieder überholt! Von wem? Natürlich von den Trägern, ich musste aufpassen, dass ich mich nicht erkältet hatte, so schnell rannten sie an mir vorbei!

Aber wie haben es geschafft, der höchste Berg von ganz Südostasien war bezwungen.

Besteigung Mount Kinabalu

Baden und Relaxen

Im Restaurant erwartete uns ein Lunch-Buffet, bevor wir zurück nach Kota Kinabalu fuhren. Nachdem wir alle Mountainbikes wieder verpackt hatten, wurden wir auf einem Boot auf die vorgelagerte Insel Manukan gebracht, wo wir die letzten beiden Tage mit süssem Nichtstun, Baden und Schnorcheln verbrachten, sehr zur Freude unserer arg strapazierten Gelenke!

Uns alle werden die Erinnerungen an diese wirklich tolle und erlebnisreiche Bike- und Abenteuerreise mit dem Reiseleiter Karl Günthard noch lange begleiten. Für Biker, welche die Abwechslung mit einer Prise Abenteuer suchen, ist diese Reise in Sabah schon fast ein MUSS!

Reiseinfos: Bikereise auf Borneo

Reisebericht-Autor: Ehemaliger Reiseleiter Heinz Geiser