Strampelnd durch Sri Lanka

Reisebericht von Reiseteilnehmerin und Reisejournalistin Carola Leitner

 

Eine Schweizer Radführerin, mehrere Einheimische und ein „lebendes Lexikon“ begleiten die abseits ausgetretener Pfade führende Radreise durch Sri Lanka. Während der rund 540 geradelten Kilometer lernt man Land, Leute sowie Kultur kennen, strampelt via (E-)Bike rein in den Inselalltag, besucht den heiligen Zahn Buddhas, vollbusige Wolkenmädchen, Märkte, Dörfer – und erfährt u.a., was es mit den Blutlachen auf den Straßen auf sich hat.

Schulkinder in ihren hübschen Uniformen


Schulklassen in Polonnaruwa

Langsam zieht eine Karawane weiß gekleideter Kinder in rund 200 Meter Entfernung vorbei. Die in weiches Abendlicht getauchten Schüler und Schülerinnen verlassen in geordneten Zweierreihen die Ruinen der Königsstadt von Polonnaruwa. Ein grandioses Motiv. Doch sie sind zu weit weg und auch mit dem großen Objektiv nicht einzufangen. Keine zehn Minuten später ist die Enttäuschung verflogen: eine Vielzahl an Knaben in blauen knielangen Hosen und weißen Hemden umbrandet unsere Reisegruppe wie eine zweifarbige Welle. Die hochaufragenden Steinmauern und geschichtsträchtigen Nischen dienen den Burschen zum Besprechen wichtiger Angelegenheiten. Kommt die Kamera ins Spiel wird sofort posiert, Grimassen geschnitten und allerlei Handzeichen gegeben. Ob diese jugendfrei sind, lässt sich nicht sagen. Wenig später leeren sich die Ruinen wieder und es kehrt kurz Ruhe ein – bis mehrere schuluniformierte Mädchenklassen das Areal entern. Mit ihren langen dunklen Zöpfen und blütenweißen Kleidern mit Faltenrock und Krawatte steht fest: Die Kinder stehlen der beeindruckenden Anlage eindeutig die Show.

Eki unser lokaler englisch-sprachiger Bikeguide an der Front


Zwischen Elefanten und Schmetterlingen

Das Weckerläuten um 5:45 ist an sich ein Garant für schlechte Laune, doch der Ausblick vom bezwungenen 185 Meter hohen Monolithen von Sigiriya entschädigt ebenso wie die Fresken der 22 barbusigen „Wolkenmädchen“. Tags darauf führt der Weg durch Elefantengebiet. Bevor wir die lange asphaltierte Abfahrt mit wenig Verkehr in Angriff nehmen, schärfen uns Sanjeewa Niroshan Ekanayake genannt Eki, der lokale Bikeguide und Florina Saladin, unsere Schweizer Reise- und Radtourleiterin, ein zusammenzubleiben.

Elefanten können ungemütlich werden. Ein überraschendes Aufeinandertreffen während des rasanten Downhills gilt es zu vermeiden. Zudem steht ohnehin eine Jeep-Safari mit garantierter Elefantensichtung im Programm der Radreise in Sri Lanka. Wenig später bevölkern große Schwärme kleiner weißer Falter die Gegend: Myriaden von Schmetterlingen umschwirren uns während der Fahrt. Ob der Lenker eines in die Jahre gekommenen umgekippten Lastwagens einem Elefanten ausgewichen oder aufgrund der vielen Schmetterlinge im Graben der „Butterflyroad“ gelandet ist, erfahre ich nicht. Die kurvige Etappe ist zu gut, um anzuhalten. Unten wartet Eki bis alle Teilnehmer eingetrudelt sind. Er kennt die Strecken und führt das Grüppchen an. Der Sri Lanker arbeitet seit vielen Jahren als Guide. Anfangs war er als Raftingführer und Bademeister tätig. Heute führt er als Fahrradguide Gruppen quer durch seine Heimat. Der Vater von drei Kindern weiß, ohne uns zu kennen, was und wo es uns gefällt. „Ich versuche dem normalen Verkehr auszuweichen, die Hauptstraßen meide ich, wo es nur geht“, erklärt er. Zum einen sei es eine Sicherheitsfrage und zum anderen wolle er uns in die Dörfer mitnehmen, in Lokalen der Einheimischen mit uns essen, die Läden und Märkte besuchen und uns das echte Inselleben zeigen, so Eki. Er organisiert die mittäglichen Snacks, manchmal idyllisch unter Bäumen, in unauffälligen Restaurationen oder bei einem Stand am Wegesrand. Eines haben alle Stopps gemeinsam: Hopper, Roti, Papadam, Kottu und Watalappam schmecken jedesmal hervorragend. Touristen verirren sich vermutlich selten in die Lokale. Denn oft speisen wir in kaum je von Ausländern besuchten Orten.

Begegnungen mit Kinder in einem Dorf


Blutlachen und Verkehrsaufkommen

Wenn wir in der Früh einen Fluss entlangradeln überraschen wir so manchen Einheimischen bei der Morgentoilette: im Wasser stehend werden Zähne geputzt, Haare oder Wäsche gewaschen. Meist wird gewunken und ein gut gelauntes „Ayubowan“ ausgetauscht. Als wir den auf dem Plan stehenden Kindergarten verlassen vorfinden, herrscht kurz Verwirrung. Doch Eki hat sofort eine Idee. Der nächste Einheimische, der auf einer Art Waffenrad angestrampelt kommt, wird als neuer Guide verpflichtet. Nach einem kurzen Umweg von wenigen Minuten dürfen wir Stifte und Zeichenbücher verteilen. Das Staunen ist auf beiden Seiten groß. Ein Junge weint. Zur Wiedergutmachung verschenke ich bei der Verabschiedung ein Säckchen Erdnüsse.

Die Nüsse habe ich einem älteren Mann auf einem umgebauten Fahrrad-Rollstuhl abgekauft. Ich bin fasziniert von dem scheuen Herrn, der sich über die interessierte Kundschaft freut. Er scheint seltsamerweise wenig überrascht, auf einen Haufen bunt gekleideter Bike-Touristen zu treffen. Seine rot bemalten Lippen passen so gar nicht zu seinem weißgrauen Fu-Manchu-Bart. Unser die Gruppe begleitende Kulturguide, Amitha, ein lebendes Lexikon, erklärt mir später, dass es sich dabei nicht um Lippenstift, sondern um Rückstände der Betelnuss gehandelt hat. Das Kauen der Nuss hat eine berauschende Wirkung und greift bei intensivem Konsum die Zähne stark an. So stellt sich heraus, dass die vielen Blutlachen und roten Spritzer auf dem Asphalt nicht von Verkehrsunfällen stammen – die statistisch gesehen im Land wahrlich hoch sind –, sondern es sich um die rot eingefärbte Spucke der Betelnuss-Konsumenten handelt. Immerhin ist das die schönere bzw. für uns Radler beruhigendere Erklärung.

Doch das Gros der Strecke radeln wir ohnehin orangefarbene Sandpisten, schmale Landstraßen entlang des Strands oder wenig frequentierte Wege. Bei größeren Straßen werden wir von Lasantha und seinem Truck beschützt. Lasantha, dessen Name nicht von Ungefähr an einen Engel erinnert, begleitet uns wie ein Schatten. In seinem Truck gibt es alles: aufgeladene Akkus, Räder, Werkzeug, Wasser, Magnesium, einen Koffer mit Medikamenten usw. Und: Er ist meist schon zur Stelle bevor man selbst weiß, dass man gleich ein Problem haben wird. An unangenehmen Kreuzungen bringt er seinen Wagen oft regelwidrig so in Stellung, dass unsere Truppe von anderen Verkehrsteilnehmern abgeschirmt passieren kann.

Als Florina diese Aktion nach einigen Anläufen endlich mit dem Smartphone dokumentieren kann, ist sie überglücklich. Die Schweizerin ist eigentlich Videoproduzentin und führt Radgruppen als Freizeitbeschäftigung nebenbei. Sie selbst war bereits bei den Pionierreisen mit Chris Schnelli, dem Gründer von Bike Adventure Tours, vor rund 25 Jahren mit dem Rad dabei. Wenn sie heute erzählt, dass sie nach Sri Lanka zum Radfahren fliege, ernte sie oft Unverständnis, wie sie lächelnd erklärt. „Bei der Hitze aufs Velo zu steigen ist abartig, sagen mir die Leute. Dabei ist es am Rad dank des Fahrtwinds viel weniger heiß als beim zu Fuß gehen. Und man ist viel näher an den Menschen dran.“

Kleine Pause mit einheimischer Verpflegung


Die glorreichen Sieben

Als sich vier Wochen vor Abflug mein Trainingszustand noch einigermaßen ausbaufähig darstellt, bitte ich bei Bike Adventure Tours um einen Tausch: normales MTB gegen Elektrobike. Kein Problem, heißt es. Es stellt sich heraus, dass ich nicht nur die Jüngste der Gruppe, sondern auch einziger Radreise-Neuling und alleinige Österreicherin bin. Die restlichen Teilnehmer kommen allesamt aus der Schweiz. Bei der Truppe, die teils verwandtschaftlich verbandelt ist, handelt es sich um eine eingeschworene Rad-Gang, die schon in unterschiedlichsten Konstellationen gemeinsame Veloreisen unternommen hat. Ich habe Glück, denn zum einen nehmen sie mich mit offenen Armen auf und zum anderen steht Spaß haben ganz oben auf der Prioritätenliste. Nur manchmal muss meine Zimmerkollegin Vroni dem Schwyzerdütsch Einhalt gebieten und daran erinnern, dass ich nur „normales Deutsch“ verstehe. Am Ende der Tour haben sich meine Sprachkenntnisse sowie Kondition verbessert.

In Anbetracht der Gesamtstrecke von ca. 540 Kilometer und ungezählten Höhenmetern ist dies auch nicht verwunderlich. Dennoch werde ich nach dem einzigen Regentag am Bike krank. Da hilft es auch nicht, dass ich bereits leicht kränkelnd unter dem Radhelm die schützende Duschhaube zum Gaudium meiner glorreichen Sieben aufsetze. Zwei Tage lasse ich mich von Lasantha hinter den anderen herchauffieren und lerne so sein Tagwerk kennen. Während die Radler eine Baustelle samt ausrangiertem Bus, Bagger und Lastwagen problemlos umfahren, gibt es für den Truck kein Durchkommen. Lasantha bespricht die Lage mit den Arbeitern vor Ort. Es gehe gleich weiter, kommentiert er grinsend beim Einsteigen. Und tatsächlich. Der große Bagger schiebt den Bus mit der Schaufel einfach an uns vorbei als wäre er ein Einkaufswagerl. Hier findet man unkomplizierte Lösungen, ohne viel Aufwand und Getue.

Wir radeln mitten durch Teeanbau Gebiete und können da und dort selber Hand anlegen


Zwischen Grand Hotel und harter Arbeit

Die ersten fünf Tage bewege ich das schwere frontgefederte Rad ausschließlich ehrgeizig strampelnd, beim hoch gelegenen Huna Falls Hotel als Etappenziel macht sich der E-Motor mehr als bezahlt. Für die Downhill-Strecke ins Kolonialstädtchen Kandy tags darauf ist das Gewicht des Rades wiederum ein Vorteil.

In Kandy wartet eine für Buddhisten wichtige Reliquie: Buddhas Zahn, der in mehreren ineinander verschachtelten Schatullen im „Tempel des heiligen Zahns“ sicher verwahrt ist. Den Zahn sehen wir nicht, doch die Anlage mit den Gläubigen ist auch ohne sehenswert.

24 Stunden später steigen wir statt aufs Fahrrad in den Zug, der uns nach Nanu Oya bringt. Eigentlich wollten einige der Gruppe mit den Einheimischen samt Ziege, Huhn und Co in der dritten Klasse fahren. Amitha, der uns die Tickets organisiert, hat die Bereitschaft mehrere Stunden auf harten Bänken in der Holzklasse zu verbringen wohl nicht ernst genommen. Wir sitzen zwar mit Einheimischen im Waggon, doch der Zugang zur echten dritten Klasse ist versperrt. Eine traditionell gekleidete Frau teilt sich mit uns eine Sechserbank. Anfangs zurückhaltend vermeidet sie Blickkontakt und fühlt sich sichtlich unwohl zwischen uns, die wir plaudernd immer wieder den Fensterplatz tauschen. Erst als wir bei einer kleinen Jause von unseren Nüssen und Orangen anbieten entspannt sie sich. Auf meine Bitte sie fotografieren zu dürfen wackelt sie zustimmend mit dem Kopf. Das angedeutete Lächeln kann ich gerade noch einfangen. Denn meist setzen die Einheimischen ein ernstes Gesicht auf, sobald die Kamera ins Spiel kommt. Dies mag wohl an den oft schlechten Zähnen liegen – die weniger gerne hergezeigt werden.

Die Dame erinnert mich an die Frauen in den Teeplantagen. Eki und Florina legen an spannenden Orten immer wieder spontane Stopps ein. Auf der Fahrt durch die Plantagen treffen wir an einer Weggabelung auf Teepflückerinnen mit ihren Körben, die jeweils mittels Stirngurt in Position gehalten werden. Die schwer beladenen Frauen warten, flankiert von Männern, deren Hände in den Hosentaschen stecken, auf die Waage. Als diese gebracht wird, wird sie auf ein Holzgestell, das an einen Galgen erinnert, montiert und die Körbe daran gehängt. Immer mehr Arbeiterinnen reihen sich in die Warteschlange ein. Es gibt junge wie alte. Auf Nachfrage erfahren wir von zweien das Alter. Die genannten Zahlen sind erschreckend: Die harte Arbeit hinterlässt früh ihre Spuren … kein Wunder, müssen doch rund 25 Kilo Teeblätter pro Tag gepflückt werden.

Es ist ein einmaliges Erlebnis mit der alten Eisenbahn rauf nach Nanu Oya zu ruckeln


Teatime

In Nanu Oya warten bereits Busfahrer Chaminda und Ranjen, die gute Bus-Seele, um uns in die höchst gelegene Stadt der Insel zu chauffieren. In Nuwara Eliya angekommen steigen wir für zwei Nächte im noblen Grand Hotel ab.

Nach einem mehr als reichhaltigen Frühstücksbuffet, unter dem sich die Tische biegen, machen wir uns auf den Weg ins Tiefland. Kurz nach der Abfahrt kreuzt eine buddhistische Opferfest-Prozession unseren Weg. Die weiß-rot gewandeten Tänzer tragen einen aufwendig gearbeiteten silbernen Kopfschmuck. Auf dem nackten Oberkörper reihen sich kunstvoll Perlenschnüre aneinander, die an der Vorderseite zu einer Art Blüten-Harnisch verknüpft sind. Bei jeder Bewegung klappert und klingelt es. Begleitet werden die Männer von festlich gekleideten Mädchen sowie einer Karawane barfüßiger Pilger.

Als wir einige Stunden später erschöpft und glücklich am Zielort, einem idyllisch gelegenen Herrenhaus, vom Rad steigen, geht es nach Tee und englischem Gebäck weiter zur Dickoya Tea Factory. Der Chef persönlich begleitet die Führung. Als ich beeindruckt eine seiner Maschinen bestaune, sagt er: „Very old, sehr alt!“ Meine Frage, ob er Deutsch spricht geht im Lärm unten. Fotografieren ist mittlerweile in allen Tee produzierenden Unternehmen untersagt, seit auf Instagram geposteten Bilder dem Ansehen der Fabriken schadeten. Der Besitzer ist sichtlich stolz auf seine teils alten Maschinen, die jedoch allesamt ihren Dienst versehen. Ist etwas kaputt wird es repariert oder ein neues Teil angeschweißt – kein Plastik weit und breit. Bis auf die Kisten auf den Förderbändern, in denen die getrockneten Teeblätter transportiert werden. Plötzlich senkt sich eine Wolke Wasserdampf auf die Halle nieder und die helltürkis lackierten Maschinen verschwinden im Nebel. Was gäbe ich für ein Foto …

Unsere Bikereise endet an der wunderschönen Hiriketiya Beach


Auf der Flucht...

Am letzten Biketag ermahnt uns Florina genug Sonnencreme aufzutragen und viel zu trinken – eine lange heiße Tour steht bevor. Der Weg vom Udawalawe Nationalpark nach Hiriketiya führt entlang von Bewässerungskanälen, die immer wieder in größere Seen münden. Ein Waran kreuzt die staubige Landstraße. Ich kann den Anblick nicht richtig genießen, da heute mein Hinterteil schmerzt. Doch ist dies bei der Ankunft mit dem Rad am Strand sofort vergessen: Wir fallen einander um den Hals, es wird gelacht und gejubelt. Letzteres mag auch an der mit Bier gefüllten Kühlbox liegen, die Eki organisiert hat. Nach einem Bad im Meer schlendern wir zum Bus, der von einem beigen Oldtimer-Jeep verparkt ist. Den Besitzer im Trubel zu finden wäre ein schwieriges Unterfangen. Kurzerhand wird das Auto unter Zuhilfenahme eines Drahtes fachgerecht „geöffnet“ und weggerollt.

Am nächsten Tag frage ich Amitha bei einer Führung durch die Stadt Galle nach den berühmten Stelzenfischern, die auf vielen Bildern und Postkarten in den Hipster-Läden der Stadt zu sehen sind. Es herrsche keine Nachfrage mehr danach, erzählt er. „Die Menschen kaufen ihren Fisch im Supermarkt und die Stelzenfischer arbeiten heute als Schausteller für die Touristen als Fotomotiv ...“ Kurz darauf fällt ihm etwas anderes ein. Chaminda habe erzählt, wem das gestern aufgebrochene Auto gehört: Mafiaboss Johnny. Amitha grinst verschmitzt und ergänzt: „Es ist wohl gut, dass sie alle morgen zurück nach Europa fliegen..."

Besuch des Udawalawa-Nationalpark mit seiner grossen Elefanten Population


Highlights

1. Meer ist mehr

Am zweiten Bike-Tag beobachten wir die Fischer, die in gemeinsamer Anstrengung Netze aus dem Meer ziehen. Florina packt gleich mit an. Im nächsten Fischerdorf schlendern wir über den Markt: Das Angebot reicht von Fleisch, Fisch über Gemüse und viele lächelnde und neugierige Gesichter.

2. On the road

Wir radeln auf kleinen Nebenstraßen und orangefarbenen Sandpisten entlang eines kleinen Flüsschen, in dem wir immer wieder Sri Lanker beim morgendlichen Zähneputzen und Waschen überraschen. Auf dem Bike erleben wir so den Alltag der Einheimischen hautnah.

3. Aus- und Einblicke

Um den Sigiriya-Felsen bei angenehmen Temperaturen erklimmen zu können, läutet der Wecker um 5:45. Der Aufstieg über unzählige Stufen lohnt sich nicht nur wegen der Aussicht, auch die barbusigen Wolkenmädchen beeindrucken – durch ihre Oberweite!

4. Auf heissen Sohlen

Zu den Highlights zählen die einstige Königsstadt Polonnaruwa mit ihren Ruinen und Tempeln, die im 11. und 12. Jahrhundert ihre Blütezeit hatte sowie die Höhlentempel von Dambulla. Diese dürfen nur ohne Schuhe betreten werden. Socken helfen beim Queren der glühend heißen Steinböden.

5. Dritte Klasse?

Statt einer Zugfahrt in der übervollen dritten Klasse mit harten Holzbänken und mitreisenden Hühnern und Ziegen reisen wir gepflegt mit Sitzplatzreservierung. Die weichen Sitze, um die man nicht kämpfen muss, lindern die Enttäuschung darüber, dass dies mit dem Leben der meisten Einheimischen wenig zu tun hat.

6. Im Partybus

Bei einer Bike-Pause treffen wir eine Schulklasse, deren mit LED-Lämpchen, Teddybären und allerlei Schnickschnack verzierten Bus, in dem ohrenbetäubende Discomusik läuft, wir erkunden dürfen. Die Jugendlichen freuen sich über das Interesse. Florina wagt sich bis nach hinten, mir wird es schnell zu eng.

7. Warten...

Auf den Fahrten durch die hügeligen Teeplantagen macht sich die E-Unterstützung bezahlt. Ich habe den Akku unsachgemäß geladen und brauche einen neuen. Kein Problem für Lasantha, der alles dabei hat. An einer Kreuzung treffen wir auf Tee-Pflückerinnen. Sie warten auf die Waage, mit der die geernteten Blätter in ihren Körben gewogen werden.

8. Very British

Das Herrenhaus in Nuwara Eliya haben wir ganz für uns. Als Vroni und ich in der Dämmerung nach den Lichtschaltern suchen, wird nach nur wenigen Augenblicken geklopft. Ich habe versehentlich den Butlerknopf gedrückt … Später dürfen wir in der Küche dem Chef beim Zubereiten von Dal über die Schulter schauen – und verkosten.

9. Extratour

Reiseleiterin Florina hat eine Spezial-Führung in der Dickoya Tea Factory organisiert. Im Inneren des Fabrikgebäudes in lindgrünem Anstrich darf leider nicht fotografiert werden. Ausnahmsweise wird auch Tee an Touristen verkauft. Ich erwerbe ein halbes Kilo und weiß: Es wird Zuwenig sein.

10. Hautnah

Während der Jeep-Safari im Udawalawe-Nationalpark treffen wir auf Wasserbüffel, eine Rotte Wildschweine, Krokodile, Warane, Bienenfresser und eine Herde Elefanten samt Jungtier. Zwei Bienenfresser posieren brav fürs Foto und ein Baby-Elefant bietet eine ungewöhnliche Golden-Shower-Show mit dem Mama-Elefant …

11. Highfive und Ghettofaust

Schicke Boutiquen, hippe Cafés und Souvenir-Shops bzw. die hohen Mieten und Lebenserhaltungskosten haben die Einheimischen aus der Altstadt von Galle vertrieben. Erfreulich hingegen gestaltet sich ein Zusammentreffen mit einer Mädchenklasse. Gruppenselfie und ungezählte Highfives inklusive.

Buddhistischer Höhlentempel von Dambulla


Tipps

Tour

Nach einer kurzen Einrolltour führt der Weg am Meer entlang, danach werden im Kulturdreieck der Insel, der Sigiriya-Felsen erklettert, die Höhlentempel bei Dambulla besucht und die Königspalastruinen von Polonnaruwa erkundet. Auf Naturstraßen radelt man von einem Dorf zum nächsten, besucht kleine Läden und Einheimische. Mit der Eisenbahn ruckelt man ins koloniale Nuwara Eliya, radelt weiter zu den hochgelegenen Horton Plains und quer durch Teeplantagen zurück ins Tiefland. Bevor die letzte Radetappe am Meer endet, sorgt eine Jeep-Safari im Naturreservat Udawalawe für Elefantenbegegnungen.

Sri Lanka für Anfänger

Die in Sri Lanka übliche Begrüßung lautet „Ayubowan“, dies bedeutet übersetzt „Mögest Du ein langes Leben haben“. Auf Tamilisch heißt es „Vanakkan“. Wackeln Sri Lanker auf eine Frage mit dem Kopf wirkt es auf Europäer so als würden sie kopfschüttelnd nein sagen … das Wackeln bedeutet jedoch ja

Verpflegung unterwegs

Powerriegel und Co braucht es aufgrund der exzellenten Verpflegung während der Stopps nicht. Stattdessen kann man z.B. Buntstifte und Zeichenblöcke in den Radrucksack packen; diese sind in den kleinen Dörfern oder beim Besuch eines Kindergartens gern gesehene Geschenke.

Nah dran

Wir radeln meist auf GPS-unbekannten Wegen, machen Station bei Einheimischen, essen Roti, Kottu und Papadam in lokalen Läden. Guide Eki weiß genau, was uns gefällt und schmeckt. Kulturguide Amitha fungiert als Universal-Lexikon, egal welche Frage: Er weiß die Antwort!

Löwentatzen, Buddhas & Ruinen

Die Besteigung des 185 Meter hohen Monolithen von Sigiriya, auch Löwenberg genannt, ist anstrengend, aber lohnend. Nach dem Bestaunen von 22 vollbusigen Wolkenmädchen radeln wir Richtung Dambulla, wo wir einige der rund 80 Höhlentempel besuchen. Die historischen Wandmalereien und Statuen zählen seit 1991 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die Ruinenstadt Polonnaruwa beeindruckt u.a. durch die darin wandelnden Schulklassen.

At the beach

Nach rund 540 Kilometer auf dem Drahtesel endet die Rundfahrt am Strand von Hiriketiya, wo Guide Eki uns mit einer Kühlbox mit Bier & Co überrascht. Nach dem Anstoßen und vielen glücklichen Umarmungen springt man in der Bucht ins türkisblaue Wasser.

Übernachten

Während der Reise quer durch die Insel wird in zehn verschiedenen Hotels genächtigt.

Zimmer mit Aussicht

Das Huna Falls Hotel, rund 26 Kilometer vom Zentrum von Kandy entfernt, liegt inmitten von Teeplantagen. Hier wurde 1840 der erste Teestrauch von Sri Lanka angepflanzt. Nach einer 65 Kilometer langen Anfahrt inkl. Anstieg genießt man nicht nur die traumhafte Aussicht …

Grand Hotel

Das erste Haus von Nuwara Eliya befindet sich in unmittelbarer Nähe der etwas in die Jahre gekommenen Pferderennbahn, dem „Little Ascot“ der Insel. Es lohnt sich pünktlich zum Fünf-Uhr-Tee zu erscheinen. Die gereichte Etagere mit Scones und Co ist optisch wie kulinarisch ein Gedicht.

Klein und sehr fein

In der ehemaligen Kolonialresidenz an den Hängen des Dickoya Tea Estate darf man in der Küche bei der Zubereitung von Dal zusehen. Das Hotel Craig Appin verfügt nur über wenige Zimmer. Beim Dinner im Salon fühlt man sich dank dem Personal wie Lord und Lady.

Dos and Don'ts

Dos

Versuchen Sie wie Sri Lanker zu essen: ausschließlich mit der rechten Hand, ohne Besteck. Beachten Sie, dass in Sri Lanka Linksverkehr herrscht … Lasantha füllt bei jedem Stopp die Wasserflaschen auf: Während dem Radeln ist viel trinken angesagt!

Don'ts

Die Einheimischen lassen sich nach höflichem Fragen meist gern fotografieren. Das Posieren auf Buddha-Statuen ist verboten, auch sollte man dem Buddha auf einem Foto nicht den Rücken kehren. Adapter für Ladegeräte nicht vergessen!

 

Reisebericht: Reisejornalistin Carola Leitner

Reiseinfos: Radreise durch Sri Lanka