Biketour Kuba Oriente im Osten der Karibikinsel

Reisebericht von Bike-Journalisten Nar und Ole Zimmer

 

An sich ist Fahrrad fahren auf der grössten Insel der Karibik längst nichts Revolutionäres mehr. Doch wer weisse Palmenstrände links liegen lässt und bei 30 Grad im Schatten die 2000 Meter hohe Sierra Maestra in Angriff nimmt, kommt um Heldentaten nicht herum.

Helden wie wir

Als Held wird man nicht geboren. Held wird man durch Taten - oder durch die Propaganda. Auf Kuba haben Helden Hochkonjunktur. Kaum ein Land verehrt seine verdienten Mitbürger so wie die Republik Fidel Castros. Von T-Shirts, Strassenschildern und Geldscheinen blicken die immer gleichen Gesichter der Befreiungskrieger. Auf Spruchbändern und Plakaten lächelt der FIüchtlingsjunge Elian - Helden-Nachwuchs. Die allgegenwärtige Parole "Patria o muerte" (Heimat oder Tod) wandert - auf die Pesomünze geprägt - von Hand zu Hand.

Zwischen all den Helden, Kämpfern und Revolutionären stehen wir mit unseren Bikes, sonnenhungrig und verkehrsüberdrüssig. Zwei Wochen lang wollen wir auf der Mountainbike Reise Kuba Oriente, den Osten der Insel erkunden. Wir starten in Baracoa, der ersten spanischen Siedlung auf Kuba. Dort, wo heute mitgenommene Fischkutter ankern, soll Kolumbus gelandet sein. Unser Weg führt uns immer wieder in dichten Urwald, an FIüssen entlang, die nach Salz schmecken. 

mit dem Boot unterwegs auf Kubas Flüssen

 

Unterwegs mit Bike, Boot und Bus

Am Ufer des Rio Tao treffen wir Pietro. Der Fährmann mit der Lederhaut rudert schon sein ganzes Leben von Ufer zu Ufer. Während der Überfahrt erzählt er aus seinem Leben, lacht und mustert interessiert unsere Bikes. Eine so wertvolle Fracht hat er noch nie transportiert. 

Viel häufiger als mit alten Ruderbooten sind wir jedoch mit einem Reisebus Typ Marco Polo unterwegs. So werden auch die längeren Transfers zum Abenteuer. Der Bus dient als Lagerplatz für die Fahrräder, als Werkzeugkiste, Proviantspeicher und Ruheraum. Wenn Fran, der Fahrer, bremst, leuchtet im Innenraum ein rotes Licht auf. Allerdings zu spät, um sich auf das nächste Schlagloch oder das nächste Hindernis auf der Strasse vorzubereiten. 

So weiss wie Milch

An der Boca de Miel ist der Sand unser grösster Gegner, der Feind aller Fahrradteile. Alle Versuche voranzukommen enden tief im weichen Untergrund. Für die Kubaner geben wir ein lustiges Bild ab. Wenn uns die Einheimischen sehen, sagen sie „Leche" - weiss wie Milch. Viel dunkler ist eine Gruppe hübscher Studentinnen. Die Mädchen haben sich nicht weit von der Strasse am Strand eingegraben, Grasbüschel und kleine Zweige in den Haaren. Eine Übung zur Verteidigung des Vaterlandes, erklärt der Trainer.

Biketouren durch saftig-grüne Landschaften

 

Biketour an die Karibik

Über den 22 Kilometer langen Anstieg zum La-Farola-Pass biken wir ans karibische Meer. Vollgas gibt jetzt nur noch die Sonne. Um uns herum nur Stillstand, Ruhe. Alle zehn Minuten begegnen wir einem Pferd oder einer Ziege. Die Einsamkeit teilen wir nur mit dem inneren Schweinehund. Die Gruppe hat sich längst in eine Ansammlung von Einzelkämpfern verwandelt. Erst am Aussichtspunkt auf der Passhöhe gibt es wieder ein "Wir“. Hinter uns liegt sattes Grün, vor uns das unendliche Blau der See. Auch die Einheimischen kennen die Stelle. Sie erwarten uns und verdienen sich mit dem Verkauf frischer Früchte ein paar Dollar. Ananas, Guayaba, Bananen, Kokosnüsse und Papaya laden die leeren Akkus wieder auf. 

Auf der Abfahrt bläst uns der warme Gegenwind die Müdigkeit aus den Knochen. Nur noch ein kurzes Stück, dann erwartet uns der Busfahrer Fran mit kalten Getränken. Am Abend bleibt Zeit für einen Ausflug ohne Bike. In der Nähe unseres Lagers präsentiert das kubanische Militär eine besondere Sehenswürdigkeit: Guantanamo-Bay. Der amerikanische Militarstützpunkt wird uns von einem Aussichtspunkt wie auf einem Servierteller präsentiert. Die Fronten klar: Hier die Guten, dort der Feind. 

Che Guevara und Jose Marti

Noch immer dreht sich auf Kuba alles um die Revolution vor über 40 Jahren. Egal wo man sich befindet, im abgelegendsten Drei-Hütten-Dorf oder in Santiago de Cuba - die Helden der Befreiungskriege sind immer präsent. Die Ausländer verehren Che Guevara. Für die Kubaner jedoch ist Jose Marti die Nummer eins. Kurz nach seiner Rückkehr in die Heimat kam er bei einem der ersten Gefechte ums Leben. Eine Geschichte wie aus einem Drehbuch. Am Ende steht tiefe Verehrung. Mit den Marti-Büsten, die weit über das Land verteilt sind, ist nicht zu spassen. Es ist nicht lange her, da riskierten die Kubaner schon für kleine Respektlosigkeiten gegenüber den Marti-Bronzen Gefängnisstrafen. Ich suche mir einen anderen Platz, um mein Bike aufzupumpen.

Strassenmusiker in Kuba

 

Kubanische Musik in Santiago

In Santiagos bestem Hotel füllen wir unsere Speicher mit himmlischen Fruchtsäften. Auf die Vergangenheit lässt sich immer eine Runde trinken. Doch Ruhe finden wir nicht – vor allem nachts. Bei Salsa, Rumba oder Son werden endlich ein paar andere Muskelpartien beansprucht. Als wir weiterfahren lassen wir neue Freunde zurück. 

Radfahren in der Sierra Maestra

Die Biketour auf der Karibikinsel Kuba geht weiter. Wir wagen uns an den Anstieg in Richtung Sierra Maestra. 1214 Höhenmeter klingen nicht besonders viel, aber die Piste ist steil. Neben uns kämpfen sich zwei alte Minivans auf den Gran Piedra. Mitleidige Blicke durch staubige Fensterscheiben. Vier Tage bleiben wir in Kubas höchstem Gebirge. Selbst in der Sierra Maestra spürt man das Meer. Küste gibt es im Überfluss. Einzelne, vom Salz zerfressene Verkehrsschilder wirken wie verlorene Boten einer weit entfernten Zukunft. 

Nur wir und der Trail - es kommt die Zeit der herrlichen Offroad-Strecken. Auf roter Erde jagen wir unsere Räder durch die Hügel, durch gottvergessene Orte bis an den höchsten Berg Kubas. Hier, am 1974 Meter hohen Pico Turquino, hatte Fidel Castro während des Guerillakrieges sein Hauptquartier. Für ein paar Dollar sind die alten Holzverschläge zu besichtigen.

Entspannung am kubanischen Strand

 

Strandurlaub mit Cuba libre

Unsere letzten Tage der Bikereise auf Kuba verbringen wir am Strand von Guardalavaca an der Atlantikküste. In den Broschüren der Reise-Veranstalter heisst er Traumstrand. Unter all den Pauschaltouristen fühlen wir uns wie Fremde. Eine Busladung Kanadier trägt die Botschaft “Viva la Holiday in Cuba 02" auf der Brust. Wir lehnen uns zurück und nippen genüsslich an einem Plastikbecher Cuba libre. Die Deutsche Welle berichtet von 12 Grad und Nässe in Deutschland. Wir spüren Kuba in den Beinen. in unseren Erinnerungen an die Bilder am Rand der Trails. Über dem Ozean flimmert das Licht, die Augenlider werden schwer. In diesem Moment fühlen wir uns selber wie Helden - Mountainbike Helden!

Veloferien in Kuba

Der Schweizer Reiseveranstalter Bike Adventure Tours bietet die 16-tägige Mountainbike Reise durch Kubas Osten an. Per Bike, Bus und Trekkingschuhen geht’s vom Flughafen Holguin über Baracoa, Santiago de Cuba und Bayamobis an den weissen Sandstrand von Guardalavaca. Höhepunkt der Tour ist die Sierra Maestra, das mit knapp 2000 Metern höchste Gebirge der Insel

Für weniger ambitionierte Velofahrer anerbietet sich im Westen der Karibikinsel die Radreise Kuba Classico, eine gemütliche Radtour mit Havanna als Ausgangspunkt und den Highlights des Viñales Tales mit den bekannten Felspfeilern Mogotes und den hübschen Tabakanbaugebieten, den Stränden von Cayo Santa Maria und Playa Ancon, den prachtvollen Kolonialstädten Cienfuegos und Trinidad und die Königsetappe vom Hanabanilla Stausee zum Pass Topes de Collantes.

 

Reisebericht-Autoren: Nar und Ole Zimmer

Erschienen in BIKE – Europas grösstes Mountainbike-Magazin