Entdeckungsreise mit dem Bike im Himalaya

Reisebericht von Eva Stocker

 

Wir erleben in diesen zwei Wochen mit insgesamt knapp 400 geradelten Kilometer die Extremen von Nepal: Flache fruchtbare Gegenden mit Feldern, auf denen noch mit blossen Händen gearbeitet wird. Frauen, welche Güter und Lebensmittel von unvorstellbarem Gewicht und Grösse tragen. Die 8000er, welche sich gigantisch auftürmen. Schnee auf den Bergen, Staub im Flachland, tropisches Klima im Süden. Grosse Armut, jedoch meist zufriedene und freundliche Gesichter. Strassen, welche mit dem Mountainbike klar besser befahrbar sind, jedoch auch von Lastwagen, Viehwagen, Autos und zahlreichen Mopeds befahren werden. Fast zerfallene Häuser und strahlende Tempel. Und stets freundliche, neugierige, jedoch scheue Nepali, Mönche und Kinder. – Ein unvergessliches Abenteuer mit Bike Adventure Tours!

Herzlich Willkommen in Nepal

Namaste! – Im März 2019 fand die Pionierreise mit Bike Adventure Tours nach Nepal statt. Wir werden am Flughafen in Kathmandu freundlich von unserem Bikeguide Gurung erwartet. (Später finden wir heraus, dass Gurung lustigerweise und ganz passend auch „Guide“ auf Nepali bedeutet.) Wir sind glücklich, dass wir abgeholt werden, denn auf der Fahrt zu unserem Hotel kommen wir erstmals mit der nepalesischen Strassenführung in Kontakt: Es gibt in Nepal anscheinend keine Verkehrsregeln, es gibt sehr viele Autos, sehr viele Mopeds und sehr viele Kühe auf der Strasse. Da die Kühe heilige Tiere sind, dürfen diese tun und lassen, was sie wollen. Es herrscht ein buntes Treiben. Die Vorfreude auf diese 15tägige Pionier-Tour von Kathmandu nach Pokhara steigt. Zuerst aber schlafen wir uns nach der Reise in einem schönen Hotel im bekannten Thamel-Viertel aus.

Heilige Kühe in Kathmandu

 Religiös geprägtes Land

Bevor wir mit dem Mountainbike dieses vielfältige Land bereisen, bekommen wir einen kulturellen Einblick in die Religionen von Nepal. Insbesondere der Hinduismus und der Buddhismus sind in Nepal vertreten. Unser deutschsprachige Guide zeigt uns als erstes die hinduistisch bedeutsame Tempelstätte Pashupatinath. Es ist einerseits eine Verehrungsstätte von Shiva und andererseits eine bedeutsame Verbrennungsstätte von toten Angehörigen. Danach besuchen wir die Bodnath-Stupa, einer der wichtigsten buddhistischen Heiligtümer, welche UNESCO-Welterbe Status geniesst. Dieses Heiligtum gehört zu einer der höchsten Stupas seiner Art und zieht aufgrund seiner Bedeutung PilgerInnen aus Nepal und den umliegenden Regionen des Himalayas an. 

Swayambhunath Stupa in Kathmandu

 Unsere Pioniergruppe

Nach dem Besuch dieser Heiligtümer starten wir die Reise mit dem Mountainbike. Wir, das sind sieben Teilnehmende, unser Schweizer Guide Pesche Fahrni, zwei Nepali Bikeguides und zwei Nepali Fahrer, welche unser Gepäck, Getränke und Snacks mit dem Auto transportieren.

Biken in Nepal

Begegnungen unterwegs

Die nächsten Tage fahren wir mit dem Mountainbike durch kleine Dörfer, bei welchen wir sehen, wie die Einheimischen wohnen und arbeiten. Die Bewohnerinnen und Bewohner gesellen sich meistens zu uns, wenn wir eine Pause einlegen. Jedoch sind es die Kinder, welche es wagen, unsere Mountainbikes von der Nähe zu inspizieren. Es wird sich mit Händen und Füssen verständigt. Wahrscheinlich wundern sich genauso viele Nepali, was wir dort mit den Bikes treiben, als auch wir uns wundern, wer in so abgelegenen und einfachen Verhältnissen wohnt. Auf dem Weg nach Godawahri besuchen wir ein modernes Kloster (Namo-Buddha-Kloster) und sind beeindruckt von dessen Architektur und Geschichte. Über Mittag gibt es meistens einen Snack an einem kleinen Kiosk oder Imbiss. Nach dem Mittag fahren wir weiter – mal durch Pinienwälder, über sandige Wege, dann wieder steile Holperstrassen hinauf und herunter.

Begegnungen mit Schulkindern in Nepal

Happy Holi

Am nächsten Tag werden wir überall mit „Happy Holi“ begrüsst und die Einheimischen werfen uns farbiges Pulver, Gulal, an. Holi wird gefeiert, um den Sieg des Guten über das Böse zu feiern und den kommenden Frühling zu begrüssen. Es ist auch ein Fest der Versöhnung, denn an diesen Tagen sollen alte Streitigkeiten begraben werden. Als wir durch die Felder des Hochlandes radeln, begegnen wir einer fröhlichen Sippe Nepali, welche traditionelle Musik machen und uns auffordern, mit ihnen mitzutanzen und Holi zu feiern. Es werden Geschenke ausgetauscht und wir werden mit Gulal bemalt. Ich bin froh, dass wir an diesem Tag bis zu den letzten Metern von den Nepali mit „Happy Holi!“ angefeuert werden, denn der letzte Anstieg ist steil, lange und braucht meine letzten Kräfte. Wir sind am höchsten Punkt der Reise in Daman auf 2400 Metern angelangt. 

Tanzen mit den Nepalis

Panzernashörner im Chitwan Nationalpark

Am folgenden Tag werden wir mit einer Abfahrt von 2200 Metern belohnt und geniessen das wunderbare Panorama und die Sicht auf die fruchtbare Landwirtschaftsebene. Im Tal spüren wir ein tropisches Klima und freuen uns bereits auf den Chitwan Nationalpark, den wir am Tag danach erreichen. Hier leben die letzten Panzernashörner, Tiger, Bären, Rehe, Krokodile, Vögel und viele andere Tiere. Und wir werden fündig! Nur der scheue Tiger versteckt sich bis zum Ende unseres zweitägigen Aufenthalts im dichten und von der Armee streng bewachten Schutzgebiet. Unsere Beine erholen sich am Pool bei einer nepalischen Lemon Soda.

Panzernashörner im Chitwan Nationalpark

Idyllisches Dorfleben

Ein weiteres Highlight folgt bereits am nächsten Tag: Wir erreichen das ehemalige Handelsdorf Bandipur, welches auf einem Sattel auf dem Mahabharat-Gebirge liegt. Heute ist es ein schöner und idyllischer Ort, welcher von Gärten umgeben ist und vor allem von Touristen besucht wird. Einige munkeln, dass die Holzhäuser und die Lage des Dorfes ein bisschen an Zermatt erinnere. Allerdings bleiben die Berge im Dunst versteckt.

Reisterrassen in Nepal

Bergwelt bei Pokhara

Der absolute Höhepunkt erreicht uns in Pokhara, wo sich die majestätischen 8000er Gipfel endlich klar und deutlich zeigen. Ein wunderschönes Panorama, das wir zwei Tage lang geniessen. Sie sind eben doch ein bisschen grösser als die Schweizer Alpen! Als Abschlussfahrt fahren wir zu einer der 80 Weltfriedenspagoden hinauf (diese wurden nach dem zweiten Weltkrieg als heilige Stätten für den Weltfrieden gebaut), bestaunen den Ausblick auf Pokhara, den Phewasee und das Annapurna Massiv, bevor wir einen flowigen Singletrail heruntersausen. Einen letzten Blick auf das Bergpanorama bis zum Mount Everest bekommen wir auf dem Flug zurück nach Kathmandu.

Himalaya Panorama

 

Reiseinfo: Mountainbike Reise in Nepal

Reisebericht-Autor: Reiseteilnehmerin Eva Stocker