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    Entdeckungsreise im unbekannten Mazedonien

Biken im südlichen Balkan

Reisebericht von Product Manager Carole Renggli

Mazedonien stand eigentlich nicht auf der Liste der Länder, die ich in naher Zukunft unbedingt bereisen wollte. Ohne konkrete Idee, was mich erwarten würde, dafür mit umso grösserer Neugier und Vorfreude machte ich mich also auf, dieses unbekannte Land im südlichen Balkan zu entdecken. Und ich wurde nicht enttäuscht!

Ausblick vom Hausberg Vodno auf Skopje

 

Junger Balkanstaat

Mazedonien –  das ist ein Binnenland gut halb so gross wie die Schweiz und mit rund 2 Millionen Einwohnern deutlich weniger dicht besiedelt. Die Nachbarländer Griechenland, Bulgarien, Serbien, Kosovo und Albanien umgeben die seit 1991 unabhängige Republik. Im noch jungen Land sind überall die Spuren der bewegten Geschichte zu spüren. Erste Siedlungen gehen auf die Steinzeit zurück, später liessen sich die Römer, slawische Stämme und schliesslich die Osmanen hier nieder. Doch dazu später mehr.

Einrolltour rund um Skopje

Nach einem kurzen Direktflug begannen wir unsere Entdeckungsreise in der Hauptstadt Skopje. Die Eintrolltour führte uns in die Hügellandschaft nahe der Stadt, wo wir durch kleine Dörfer radelten. Das Tageshighlight in Form eines Kulturschocks folgte bei der Einfahrt zurück nach Skopje durch die Romasiedlung Šutka. Nach der gemächlichen Fahrt durch das Umland der Stadt kam ich mir hier vor wie auf einem lauten, geschäftigen, chaotischen Markt in einem fernen Land.  Auf der schmalen Strasse zwischen den Häusern und Marktständen nahmen sich halbzerfallene Autos und Lieferwagen, rauchende Motorräder, Fussgänger und wir exotischen Biker gegenseitig den Platz weg. Kaum hatten wir die Siedlung verlassen, verlief das Leben wieder in vergleichsweise geordneten Bahnen – welch ein Gegensatz innerhalb weniger Meter!

Matka-Schlucht bei Skopje

 

Hausberg Vodno und Matka-Schlucht

Rund um Skopje erheben sich zahlreiche Berge, die sich hervorragend zum Biken eignen. Einer davon ist der Hausberg Vodno. Direkt vom Hotel pedalten wir los und nahmen die Steigung in Angriff. Ungefähr auf halber Höhe erreichten wir die Talstation der Gondelbahn, wo wir die Wahl hatten zwischen weiterpedalen oder gemütlich hochtransportieren lassen. Ich entschied mich für die Gondelfahrt und genoss auf dem Gipfel angekommen die beeindruckende Aussicht auf die Stadt aus der Vogelperspektive. Nach einer Kaffeepause folgte die Abfahrt auf tollen Single Trails durch die Wälder des Vodnos runter bis zum Stadtrand. Von dort ging es direkt weiter zum zweiten Naherholungsgebiet von Skopje, der eindrucksvollen Matka-Schlucht. Im schmucken Restaurant mit herrlichem Blick auf die Felswände und den See wartete bereits das wohlverdiente Mittagessen auf uns.

mazedonische Küche

 

Mazedonische Küche

Das währschafte mazedonische Essen begleitete uns auf der ganzen Reise: Würste und alle weiteren Arten von Fleisch, frischer Schafkäse, sonnengereifte Tomaten und anderes, frisches Gemüse sorgten für die nötige Stärkung während und nach den Biketouren. Hunger hatte wahrscheinlich während der ganzen Reise nie jemand von uns. Die Spezialität schlechthin und für uns doch etwas gewöhnungsbedürftig war das Gläschen Rakija vor jeder Mahlzeit. Rakija ist der Nationalstolz der Mazedonier. Der starke Schnaps verfehlt seine Wirkung mit einem Alkoholgehalt von mindestens 40% auf leeren Magen sicher nicht.

Biken im Mavrovo Nationalpark

 

Mavrovo Nationalpark

Unsere Reise führte uns nach dem Besuch von Skopje weiter in den Westen des Landes in kaum bevölkerte Gebiete mit wunderschöner Natur. Als erstes besuchten wir den Mavrovo Nationalpark an der Grenze zu Albanien. Für den Stausee im Tal wurde hier extra ein Dorf einige Hundert Meter entfernt neu errichtet. An den alten Standort erinnert noch die Kirche St. Nicholas, von der je nach Wasserstand nur noch die Spitze des Kirchturms aus dem Wasser ragt. Unsere Biketour führte uns vom Dorf Mavrovo hoch in Richtung Bistra Gebirge. Während der Mittagspause auf einer weichen Wiese hatten wir den perfekten Ausblick auf den Korab, den höchsten Berg sowohl Mazedoniens als auch Albaniens. Weiter ging es auf flowigen Single Trails durch die ursprüngliche Natur der Hochebene. An einem steilen Hang fuhren wir vorbei an einem Schäfer mit seiner Herde und den Hunden, bevor sich nach der nächsten Kurve plötzlich eine riesige Ebene auftat. Ich war völlig überrascht, hier eine solche Weite mit nichts ausser Gras in Grün-, Gelb- und Orange-Tönen anzutreffen.

Mit dem Sessellift werden die ersten Höhenmeter bezwungen

 

Tradition und kleine Dörfer

Am nächsten Morgen wurde nur für uns der Sessellift des Skigebiets von Mavrovo in Betrieb genommen und die ersten Höhenmeter des Tages wurden uns geschenkt. Die anschliessende Biketour führte uns durch kleine Dörfer wie Galicnik oder Lazarapole. Unser mazedonischer Guide Bobi – der als Geschichtslehrer tätig ist, wenn er nicht gerade Bike Touren leitet - liess uns an seiner grossen Leidenschaft für die Geschichte und für sein Land teilhaben. Jedes der kleinen Dörfer ist einzigartig. Im verschlafenen Galicnik beispielsweise versammeln sich einmal im Jahr Tausende von Menschen aus dem ganzen Land, um an der traditionellen „Hochzeit von Galicnik“ teilzunehmen. Das von einer Jury ausgewählte Paar steht dabei im Mittelpunkt. Die Festlichkeiten dauern über zwei Tage und am Hochzeitstag absolviert das Brautpaar verschiedene Schritte der traditionellen Zeremonie in vorgegebener Reihenfolge. Dazu gehören zum Beispiel, dass der Bräutigam auf dem Friedhof das Einverständnis seiner verstorbenen Ahnen für die Ehe einholt oder dass die Braut auf einem Pferd zum Haus des Bräutigams reitet, wo sie von der Schwiegermutter mit Geschenken überhäuft wird. 

Lazarapole ist ein weiteres schönes, kleines Dorf in den Bergen. Es gilt als DER Luftkurort Mazedoniens. Bei unserer Durchfahrt war es ziemlich ausgestorben, da viele Leute aus den Städten hier Wochenendhäuser besitzen.

Blick vom Dorf Galicnik in die Berge des Bistra Massivs

 

Identität und Herkunft

Das Spezielle an dieser westlichen Region Mazedoniens ist, dass zum Teil der Einfluss der albanischstämmigen Bevölkerung deutlich sichtbar ist. Aber eben nur zum Teil, denn ein albanisch geprägtes Dorf kann direktes Nachbardorf mehrerer mazedonischer Dörfer sein. Besonders eindrücklich war dies für mich bei der Durchfahrt von Labunishte. In diesem Dorf leben vorwiegend Menschen albanischer Abstammung. Hier findet das Leben auf der Strasse statt. Wir sahen zwei Bräute in traditionellen Kleidern, fuhren an unzähligen Marktstände auf der Strasse vorbei, schlängelten uns an hupenden Autos und aggressiv fahrenden Motorrädern vorbei und achteten dabei noch darauf, dass uns die übermütigen Kinder nicht vom Bike stiessen. Kaum waren wir raus aus dem Dorf, war es ruhig. Schliesslich erreichten wir unser Tagesziel Vevcani, ein für die Mazedonier sehr bedeutendes Dorf. Die Bewohner sind bekannt für ihre Eigensinnigkeit. Sie lehnten sich bereits zu Zeiten Jugoslawiens gegen die Regierung auf. Nach der Loslösung von Jugoslawien entschieden die 3000 Bewohner sogar, ihre eigene Republik zu gründen, die zwar nicht offiziell anerkannt ist, dennoch nennen sie ihr Dorf seither so. Beeindruckend ist auch, dass Vevcani als eines der wenigen mazedonischen Dörfer in dieser Region seine Identität erhalten hat und nicht wie viele von einem albanischen Nachbardorf geschluckt wurde. Der Zufall wollte es, dass wir genau am mazedonischen Unabhängigkeitstag (8. September) dieses kleine Dorf im Jablanica-Gebirge erreichten. Dies war vor allem für Bobi und unseren Fahrer Stole ein spezielles Ereignis und man konnte ihnen den Nationalstolz ansehen.

In diesem Teil Mazedoniens kam ich mir manchmal vor, als würden wir innerhalb kürzester Zeit mehrmals den Röstigraben überqueren. Aber dieser Graben ist viel mehr als nur eine sprachliche Grenze. Die Menschen bestimmen ihre eigene Identität sehr stark anhand der Herkunft ihrer Eltern. Dazu gehören die Kultur, die Religion und das Zugehörigkeitsgefühl zu einer bestimmten Volksgruppe. Die Balkankriege in den 1990er Jahren haben das Land und die ganze Region geprägt. Ich habe schnell gemerkt, dass es ein grundlegender Unterschied ist, ob jemand ein Mazedonier oder ein in Mazedonien lebender Albaner ist. Die Kriege haben dazu geführt, dass Grenzen durch Regionen gezogen wurden, in denen zuvor zusammengehörige Völker gelebt haben. Schwierig nachzuvollziehen bleibt für mich aber, warum sich die Leute so sehr an der Vergangenheit orientieren, anstatt sich eine gemeinsame Zukunft aufzubauen. 

Auf jeden Fall hat mich die Fahrt durch diese Dörfer tief beeindruckt und ich habe dabei sehr viel über das Land und seine Menschen gelernt.

UNESCO Welterbe Ohrid und Ohridsee

 

UNESCO Welterbe Ohrid

Weiter ging es mit dem Bike auf einer steilen Nebenstrasse hoch ins Jablanica-Massiv. Leider spielte genau für die langgezogene Abfahrt durch den Wald das Wetter ausnahmsweise nicht mit. In strömendem Regen erreichten wir den nächsten Höhepunkt der Reise, den Ohrid-See. Der See gehört zu den ältesten der Welt – sein Alter wird auf mehrere Millionen Jahre geschätzt. In dieser Zeit hat sich eine Vielzahl endemischer Arten entwickelt – also Pflanzen und Tiere, die es nur hier gibt. Aus diesem Grund gehört der See zum UNESCO Weltnaturerbe. Die Stadt Ohrid zählt gleichzeitig zum UNESCO Weltkulturerbe. Beim Stadtrundgang haben wir hautnah erleben können, warum: hier treffen auf engstem Raum verschiedene Epochen aufeinander. Das über 2000 Jahre alte römische Theater befindet sich nur unweit der Festung des Zaren Samuil aus dem Mittelalter. In Ohrid entstand die erste slawische Hochschule, in der später auch das kyrillische Alphabet entwickelt wurde. Im Stadtzentrum zeugen Überreste zahlreicher Kirchen und Basiliken von der Bedeutung der Stadt, als sie vom Christentum geprägt war. Es wird behauptet, dass es 365 Kirchen in Ohrid gab – für jeden Tag des Jahres eine.

Bike-Leckerbissen Galicica Nationalpark

Nur unweit der Stadt befindet sich der Galicica Nationalpark, der wie zum Biken geschaffen ist. Ich selber habe diese Etappe leider verpasst und kann daher nur berichten, wovon der Rest der Gruppe geschwärmt hat. Sie fuhren über tolle Single Trails und einsame, flowige Wege durch wunderschöne Landschaften. Immer wieder eröffnete sich der Blick auf den Ohridsee oder den Prespasee auf der anderen Seite. Mal pedalten sie über weiche Graslandschaften, dann kamen steinige, anspruchsvollere Passagen. Für die meisten war klar: Das war das Bike-Highlight dieser Reise gewesen.

Biken im Galicica Nationalpark mit Blick auf den Ohridsee

 

Krusevo - Geburtsort Mazedoniens

Unser letztes Ziel war schliesslich Krusevo, die höchstgelegene Stadt Mazedoniens. Der malerische Ort ist von grosser nationaler Bedeutung, weil hier im Kampf gegen die Osmanen im Jahr 1903 kurzfristig eine Republik ausgerufen werden konnte, die nach wenigen Tagen zwar blutig niedergeschlagen wurde. Nichtsdestotrotz gilt die Stadt seither als Symbol für die mazedonische Identität.
Die letzte Biketour führte in die Wälder und Hügel rund um Krusevo, bevor wir bereits den Rückweg nach Skopje antraten.

Blick auf die pittoreske Stadt Krusevo

 

Schon ist es vorbei

So stand schon unser gemeinsamer Abschlussabend an. Für mich war es das Ende einer tollen und unvergesslichen Reise. Mazedonien hat auf kleinem Raum viel zu bieten und eignet sich deshalb perfekt um es im Bikesattel zu entdecken. Ich hatte keine Vorstellungen von diesem Land gehabt und wurde immer wieder aufs Neue überrascht. Neben der eindrucksvollen Natur, den Bergen, Seen sowie den pittoresken Dörfern und geschichtsträchtigen Städten bleiben mir auch die liebenswürdigen Menschen in bester Erinnerung.

Infos zur Mountainbike-Entdeckungsreise durch West-Mazedonien: http://www.bike-adventure-tours.ch/radreisen/mazedonien/

Reisebericht: Product Manager Carole Renggli, Oktober 2017

Bilder: René Thommen, Andi Schnelli, Petra Zimmermann und Carole Renggli

Reisedaten

15.05.20 - 24.05.20
MAZ-1/20 CHF 2650
freie Plätze
28.08.20 - 06.09.20
MAZ-2/20 CHF 2650
freie Plätze

Individualreise

lokale, englischsprachige Reiseleitung
bei 2 Personen ab CHF 3650
bei 3 Personen ab CHF 3250
bei 4-5 Personen ab CHF 2750
bei 6 Personen ab CHF 2250
+ Flugpreis ab CHF 350
Reisedatum auf Anfrage

Karte

Bike-Adventure-Nordmazedonien-Map

Reiseinfo

Teilnehmerzahl:

  • 10–15 Personen
  • Individualreise ab 2 Personen

Anmeldeschluss:

  • 8 Wochen vor Abreise 

Anforderungen und Strecke:

Die Gesamtstrecke beträgt ca. 264 km mit ca. 5040 Hm in 7 Bike-Etappen mit im Schnitt je 38 km / 720 Hm pro Tag. Wir fahren ca. 80% auf Naturwegen (4-WD-Tracks oder Singletrails) meist technisch einfach bis mittel, kurze Abschnitte technisch anspruchsvoll, und 20% auf asphaltierten Strassen mit wenig Verkehr.

Ideale Reisezeit:

Mai bis Oktober

Beratung

Carole Renggli

Carole Renggli

carolebikereisen.ch

(+41) 044 761 37 65

Katalog

Bike Adventure Tours Katalog 2019

Katalog 2019

Sie können ihn hier Online anschauen, als PDF herunterladen oder per Postversand bestellen.

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