Biketour und Gipfelbesteigung in Tansania

Reisebericht von Reiseteilnehmer Gregor Honsel

Kilimanjaro - langsam, intensiv und eindrücklich

Umrundung mit dem Mountainbike und Besteigung

Wohin unsere Karawane auch kommt, wir werden mit einem fröhlichen “Jambo!” begrüsst. Frauen verlassen die Felder; Kinder rennen von den Schulhöfen. Zuweilen wird es so eng am Strassenrand wie bei einer Bergankunft der Tour de France. Bei jeder Rast finden sich Zaungäste ein, um die seltsamen Weissen mit den Fahrrädern und den komischen Hüten zu belachen und zu bestaunen. Wir spielen Taxi für die Kinder oder lassen die grösseren von ihnen selber auf unsere Mountainbikes steigen.

Kinder sind begeistert vom Biker

 

Biken um den Kilimanjaro

240 Kilometer fahren wir mit dem Mountainbike rund um den Kilimanjaro, bevor wir dann aufsteigen. Begleitet von einem Landrover mit vier einheimischen Führern, unserem Gepäck, Ersatzteilen, Reiseapotheke, kühlen Getränken, frischem Obst und zehn lebenden Hühnern.

Im Massai-Dorf Ol Molog erscheint der Dorfälteste und schüttelt jedem einzelnen von uns die Hand. Große Bewunderung erhält unser Gruppenältester Peter, als er den Fahrradhelm lüftet und seinen grauen Haarkranz zeigt. Die Massei haben eine nach dem Alter geordnete Hierarchie. Dass unser „Häuptling“, Reiseleiterin Flavia Christen, jung und weiblich ist, scheint bei ihnen nicht ganz durchzudringen.

Je weiter wir in den Osten von Tansania kommen, desto staubiger werden die Wege. Zuerst sind die dunklen Ränder um die Sonnenbrillen noch ein kosmetisches Problem. Später behindern Staubfahnen unsere Sicht. Schliesslich versinken die Räder bis über die Felgen in dem puderzuckerfeinen Strassenbelag und machen das Radeln zum Balance-Akt, der hin und wieder zu einem Staub-Vollbad wird. Zweimal täglich müssen die Ketten geölt werden. Meine Tour endet mit dem ersten Platten - direkt vor dem Eingang des Hotels.

Biken rund um den Kilimanjaro

 

Kilimanjaro-Besteigung

Nach einem Ruhetag fahren wir mit dem Geländewagen zum Eingang des Kilimanjaro-Nationalparks in 1800 Metern Höhe. Dichter Nebel begleitet uns auf der ersten Etappe durch den Regenwald zur Mandara-Hütte auf 2700 Metern Höhe. Von den Ästen hängen lange Flechten herunter, die nahtlos in die Nebelschwaden überzugehen scheinen. Bei 3000 Metern Höhe reisst der Nebel auf und wir wandern zunächst durch eine Busch- und anschliessend eine Heidelandschaft.

Nach fünf Stunden Wanderung haben wir die Horombo-Hütte erreicht. Hier übernachten die Wanderer sowohl beim Auf- als auch beim Abstieg. Viele Trekker verweilen auch einen Tag zur Akklimatisierung. Deshalb ist die Hütte (eigentlich eher ein Hüttendorf) mit 200 Betten das grösste und bequemste Lager auf der Marangu-Route. An klaren Tagen sieht man 2000 Meter über sich die beiden Kilimanjaro-Gipfel, Kibo und Mawenzi, und 1000 Meter unter sich die Wolken.

Trekking auf den Gipfel des Kilimanjaro

 

Eindrücke von unterwegs

In der Nacht frieren die Wasserleitungen zu und eine dicke Eisschicht bildet sich an den Waschbecken – und das noch nicht einmal auf halben Weg zum Gipfel. Am nächsten Morgen können wir Kibo und Mawenzi zum ersten Mal seit fast zwei Wochen wolkenfrei in ihrer ganzen Pracht sehen. Bei 4000 Metern gibt der Höhenmesser auf. Langsam geraten Mensch und Maschine an ihre Grenzen. Wir steigen immer weiter und ich entdecke den Hypochonder in mir. Kommen die Kopfschmerzen von den Bügeln der neuen Sonnenbrille oder sind sie erste Zeichen von Höhenkrankheit? Dagegen helfen vor allem zwei Mittel: Zeit und Wasser. “Pole, pole” – „langsam, langsam“, mahnen unsere Führer immer wieder. Im Gänsemarsch trotten wir über den Sattel, eine flache Steinwüste zwischen Kibo und Mawenzi. Es wird immer beschwerlicher, die empfohlenen vier bis fünf Liter täglich zu trinken. Das Wasser haben die Träger über offenem Feuer abgekocht. Es schmeckt nach Rauch.

Die letzte Station vor dem Gipfelsturm ist die Kibo-Hütte in 4700 Metern Höhe. Um Mitternacht beginnen die anstrengendsten fünf Stunden: Wir besteigen den Kibo. Der Weg ist eine schwarze, steile Geröllhalde an der Kraterflanke. Weder Fuss noch Auge finden Halt. Über uns ist ein sensationeller Sternenhimmel, doch wir sehen nur die Hacken unseres Vordermanns im Lichtkegel der Stirnlampe. Um vier Uhr morgens reicht es mir. Ich setze mich auf einen Stein und will auf die Sonne warten. Hyazinthe, einer unserer vier Führer, bringt mich wieder auf die Beine.

Er geht vor mir her und summt dazu eine rhythmische Melodie: „mhmmm mhm mhm mhmmm -linker Fuss; mhmmm mhm mhm mhmmm – rechter Fuss.“ Die anderen Führer singen im Wechsel dazu mit. In diesem meditativen Trott erreiche ich Gillman’s Point, den Kraterrand des Kibo, 5685 Meter über dem Meer und wohl 4000 Meter über den Wolken. Es ist 5.45 Uhr, die Sonne ist noch nicht aufgegangen.

Bei Sonnenaufgang erreichen wir den Gipfel des Kilimanjaro

 

Der Sonnenaufgang entschädigt uns für alle Mühen

Die zackige Silhouette des Mawenzi ragt schwarz aus der blassrosa Wolkendecke. Gillman’s Point: Der Gipfel vor dem Gipfel. Mit dem Erreichen des Gillman’s Point gilt der „Kili“ als bestiegen. In der Tat – den Anblick des Sonnenaufgangs vom Gillman’s Point aus, nach 900 Höhenmetern in der Tretmühle, kann auch der eigentliche Gipfel nicht mehr überbieten. Wir umarmen uns und starren nach Osten. Mit der Sonne kehrt auch der sportliche Ehrgeiz zurück und vom Gillman’s Point zum Gipfel geht es – dieses mal sogar relativ leichtfüssig – noch eine Stunde am Kraterrand entlang, dem höchsten Punkt in Afrika entgegen. Auf dem Weg dorthin kommen wir dem legendären ewigen Schnee auf dem Kilimanjaro zum Greifen nahe. Was von der Ferne wie eine dünne Schneehaube aussieht, ist blaues, kompaktes, 15 bis 30 Meter dickes Eis. Die Oberfläche wurde vom Wind zackig wie eine Raspel geschmirgelt. Direkt am Weg stehen hüfthohe, schmale Eisdornen auf der Lava. Verglichen mit dem Gillman’s Point ist der 5895 Meter hohe Gipfel ziemlich unspektakulär und sehr, sehr windig. Jeder macht schnell ein Foto und verzieht sich wieder. Bis 1961, der Unabhängigkeit Tansanias, hiess dieser Ort „Kaiser-Wilhelm-Spitze“, so benannt vom deutschen Erstbesteiger Hans Mayer. Jetzt heisst er „Uhuru Peak“, was so viel heisst wie „Freiheits-spitze“.

Abstieg

Der Abstieg zur Kibo-Hütte geht schnell. Hyazinthe zeigt mir, wie man auf dem Geröll surft. Wenn die Wanderer mit Stöcken bewaffnet und bis zu den Hüften in einer Staubwolke talwärts rutschen, sieht die Kraterflanke aus wie eine Skipiste, Nach einem Frühstück in der Kibo-Hütte geht es gleich weiter runter zur Horombo-Hütte, um die gelungene Besteigung zu feiern. Doch der Whiskey, den ich seit zwei Wochen für diesen Tag mit mir rumgeschleppt habe, schmeckt nicht richtig. Die aufgesprungenen Lippen schmerzen bei jedem Schluck. Von meinen zwölf Mitreisenden haben acht Gillman’s Point erreicht, sechs von ihnen den Gipfel. Am Ausgang des Nationalparks bekommen wir Urkunden ausgehändigt - goldene für den Gipfel; grüne für den Gillman’s Point. Meine trägt die Nummer 6573. Ich war also der 6573te Gipfelstürmer des Jahres.

Informationen zur Bikereise Kilimanjaro

Die Fahrradetappen sind bis zu 80 Kilometer lang und überwinden eine Höhendifferenz von maximal tausend Metern am Tag. Die sandigen Abschnitte sind allerdings deutlich anstrengender als diese Zahlen andeuten. Die Biketour ist aber von halbwegs trainierten Alltagsradlern zu schaffen. Die Wanderung bis zur Kibo-Hütte (4700 Meter) ist sehr einfach. Die Wege sind breit und gut befestigt; die Tagesetappen nicht länger als sechs Stunden. Die Strecke von der Kibo-Hütte bis zum Gillman’s Point ist dagegen sehr anstrengend. Menschen mit Lungen- oder Herz-Kreislaufproblemen sollten nicht höher als 3000 Meter steigen.

Die beschriebene Biketour wird von bike adventure tours jeweils im Herbst angeboten.

 

Reiseinfos: Biketour und Safari mit optionaler Kilimanjaro-Besteigung

Reisebericht-Autor: Reiseteilnehmer Gregor Honsel