Biketour in der einzigartigen Felsenlandschaft um Göreme in der Türkei

Reisebericht von Reisejournalist Martin Platter vom Bike Magazin

Bike-Eldorado Kappadokien

Neue Bike-Pläne schmieden, wieso nicht mal eine Bikereise in den nahen Osten, zum Beispiel nach Kappadokien?

Keine Ahnung, was man sich unter einer Kulturreise mit dem Mountainbike vorstellen soll? Ging mir auch so. Chris Schnelli, Gründungsmitglied und Teilhaber von Bike Adventure Tours (BAT), hat mich dazu überredet. «Kommt doch auch einmal mit auf eine unserer Bike-Reisen», lockte er mit Engelszunge.

Ziemlich genau vor einem Jahr bin ich dann weich geworden. In einer endlos erscheinenden, grauen, nasskalten Winterphase reifte der Entscheid. Ich sagte zu für eine Bike- und Kulturreise nach Kappadokien. Auch, weil ich die einzigartige Felsenlandschaft um Göreme anlässlich der Cross- Country-Europameisterschaften 2007 bereits gesehen hatte. Der knappe Zeitplan als Reporter verhinderte jedoch, die Region mit dem Bike zu erkunden. Das wollte ich nachholen.


einzigartige Felsenlandschaften in Kappadokien

 

Schon Wochen vor der Abreise schürte BAT das Fernweh mit einem Trikot und den wichtigsten Reiseinformationen, inklusive einem Blatt mit den wichtigsten Worten auf Türkisch. „Evet“ heisst ja, „hayir“ nein und „tesekkür ederiz“ danke. Ganz schön schwierig. So richtig Vorfreude wollte aber aus anderen Gründen nicht aufkommen. Noch drückten die Termine und die angespannte politische Situation in der Region auf die Stimmung. Die Wahlen in der Türkei standen bevor, und die Folgen des Krieges im benachbarten Syrien bewegen die Menschen in ganz Europa bis heute.

Mit gemischten Gefühlen begab ich mich am ersten Oktobersamstagmorgen auf den Flughafen Zürich-Kloten. Doch schon bald lockerte sich die Atmosphäre. Die bunt gemischte Gruppe bestehend aus sechs Paaren und Bikeguide Richi Fürsinger zeigte keine Berührungsängste. Etliche kannten sich bereits von früheren Bike-Trips. Entsprechend fröhlich war das Hallo.

Der dreistündige Flug nach Istanbul verlief ebenso ruhig wie der 75-minütige Weiterflug nach Kayseri. Dort wurden wir mit einem Bus abgeholt für den einstündigen Transfer nach Ürgüp ins Hotel Akuzun – den Ausgangs- und Zielort unserer Ferienwoche. Und das Hotel unseres lokalen Fahrers Ahmed Akuzun, ein stets aufgestellter Gastgeber mit perfektem Deutsch, das er sich als Gastarbeiter in Deutschland angeeignet hatte. Ahmed vermittelt uns beim Nachtessen die pragmatische Denkweise der meisten Türken. Sehr patriotisch mit viel Sinn für Freundschaft, die Familie und das Geschäft. Er ist stolz auf das, was die Türkei in den letzten Jahrzehnten wirtschaftlich erreicht hat und wie die meisten seiner Landsleute ein grosser Anhänger des Begründers der modernen Türkei, Mustafa Kemal Atatürk.

Der nächste Morgen begrüsst uns mit blauem Himmel und angenehmen Temperaturen. Nach dem Frühstück passen wir die Miet-Bikes an. Alu-Hardtails mit 26-Zoll-Rädern, Tektro-Scheibenbremsen, Dreifach-Kurbelgarnituren und Shimano- Schaltungen. So viel vorab: Auch wenn die immer mal wieder schleifenden Bremsen nervten, blieben wir von grösseren Pannen verschont. Auch, weil der Vermieter die Schläuche vorsorglich mit Dichtmilch befüllte. Das verhinderte wirkungsvoll Platten auf den dornenübersäten Trails.

Die Bikewege schlängeln sich durch die Felsformationen.

 

Kaum im Gelände, zeigten sich innerhalb der Gruppe grosse fahrtechnische und konditionelle Leistungsunterschiede. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten höchst unterschiedliche Vorgeschichten. Doch die Kultur kittete. Nicht nur beim Besuch von zahlreichen in die markanten Tuffstein-Formationen gehauenen Wahrzeichen in der Region um Göreme. Auch die Kultur untereinander wurde mit viel Empathie gepflegt. Die heterogene Schicksalsgemeinschaft bestehend aus Handwerkern, Lehrerinnen, KV-Angestellten, einem Architekten, einem Beamten und einem Psychiater wuchs mit jedem Kilometer enger zusammen. Man nahm gegenseitig Rücksicht und half sich. Es gab keine Aussenseiter, und das wirkte sich äusserst positiv auf die Grundstimmung aus.

Mit seiner zuvorkommenden, unaufdringlichen Art schaffte es Bikeguide Richy, die individuellen Bedürfnisse so zusammenzuführen, dass alle auf ihre Kosten kamen. Das Biken und das kulturelle Interesse dienten als Bindeglied. Die gute Stimmung war der Schlüssel für eine entspannte und erlebnisreiche Ferienwoche, bei der einmal nicht Tempobolzen und Kilometerfressen im Vordergrund standen. Sondern die Sicht auf Neues, Andersartiges in einem Rhythmus, der das Gehirn nicht überforderte. Also genau das Gegenteil meines ersten Besuches in Kappadokien 2007.

Die beeindruckende Landschaft mit ihren zahlreichen Sehenswürdigkeiten, die Gastfreundschaft, das feine Essen, die gediegenen Höhlen-Hotels, die gute Organisation und das schöne, warme Wetter haben ihren Teil zur entspannten Atmosphäre beigetragen. Die Tage vergingen wie im Flug. Ja, ich würde sofort wieder an einer Kulturreise mit dem Mountainbike teilnehmen. Gerne mit derselben Gruppe wie in Kappadokien.

über Jahrtausende formte die Erosion die Felsen in Kappadokien

 

Bike Adventure Tours in Kappadokien

Bike Adventure Tours (BAT) bietet geführte Bike-Ferienwochen in Kappadokien an. Gefahren wird dabei nicht nur in den berühmten Love-, Red- und Rose-Valleys des UNESCO-Weltkulturerbes um Göreme. Bis nach Güzelyurt in die Ihlara-Schlucht führen die Touren oft abseits befestigter Strassen durch das dünn besiedelte, wilde Anatolien. Dabei ist Kaymakli, die grösste komplett in den Felsen gehauene Untergrundstadt der Region, bei weitem nicht die einzige Sehenswürdigkeit. 

Reiseinfos: Rad- und Kulturreise in Kappadokien

Reisebericht-Autor: Martin Platter, erschienen Bike Magazin, Winter 2016


Video: Mountainbiking Kappadokien


 

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