Obfelder Ulracyclist knackt beim Velofondo 24-Stunden-Weltrekordrennen die 750-km-Marke

Reisebericht von Rennteilnehmer Bela Takacs

Radrennfahrer auf der Autorennstrecke

Die im Osten von Deutschland gelegene Motorsport Arena Oschersleben ist bekannt für faszinierenden Rennsport auf zwei und vier Rädern. Dort wo normalerweise ohrenbetäubender Motorenlärm die Arena durchdringt und Benzingeruch in der Luft liegt, trafen sich am letzten Wochenende über dreihundert Marathon-Rennradfahrer, um am ersten Velofondo 24-Stunden-Rennen von Oschersleben teilzunehmen. Die 3.696 km lange, superschnelle Runde versprach ein spannendes Rennen und hohe Kilometerleistungen.

Fuhr doch der Solosieger Rainer Steinberger aus Bayern einen inoffiziellen Weltrekord von 245 Runden und damit 906.5 Kilometern. Als Solofahrer mit dabei waren auch die beiden Ultracyclisten aus dem Säuliamt Bela Takacs und Chris Schnelli.

Rennteilnehmer Chris Schnelli und Bela Tacaks


Vorbereitung alles andere als optimal

Das Rennen war für Takacs erklärtes Saisonziel 2017, obwohl die Vorbereitung alles andere als optimal verlief, flog er doch zwei Wochen vor dem Rennen bei einem unverschuldeten Unfall in eine Windschutzscheibe. Neben zahlreichen Prellungen und Schnittwunden wurde dabei auch seine auf Komfort getrimmte Carbon Rennmaschine zerstört. So blieb Takacs nichts anderes übrig, als sein über zehn Jahre altes Aluminium-Rennrad aus dem Keller hervorzukramen und auf ein renntaugliches Level aufzurüsten.

CEO als Wasserträger

Chris Schnelli, vielen bekannt als CEO und Gründungsmitglied von Bike Adventure Tours, ging es mehr darum, seinen langjährigen Jugendfreund und Trainingspartner optimal zu unterstützen und ihm die bestmöglichen Bedingungen zu bieten, um eine gute Leistung abrufen zu können, und eher nebenbei selber ein 24-Stunden-Rennen zu absolvieren.

Bike Adventure Tours Fahrer Bela Tacaks


Auf die Plätze, fertig, los!

Der Startschuss fiel pünktlich am Samstag um 13:00 Uhr. Von Anfang an sorgten die Vierer- und Achter-Teams, die sich innerhalb der Gruppe mit Fahren abwechseln konnten, für ein horrendes Anfangstempo. Den Einzelstartern ging es darum, in einer geeigneten Gruppe Unterschlupf zu finden und möglichst energieschonend im Windschatten zu fahren, sowie in der Euphorie den "Motor" nicht zu überdrehen. "Das Fahren in der Gruppe erfordert eine hohe Konzentration, ist hektisch und nicht immer ungefährlich."

"Der Plan für Bela sah vor, ohne Schlafpause mit 30 km/h vierundzwanzig Stunden durchzufahren und nur zwecks Kleiderwechsel und für Toilettenpausen die Boxenstrasse anzufahren," erklärt Schnelli.

Der erfahrene Reiseprofi bereitete jeweils Verpflegung und Bekleidung vor und war verantwortlich für Taktik und Rennstrategie.

"Irgendwann nach zwanzig Stunden velölen hört man auf klar zu denken und dann muss ich für meinen Kollegen entscheiden, was Sache ist!", bemerkt Schnelli augenzwinkernd.

Sturmböen, Regen und lachende Zwerge

In der Nacht wurden die Rennfahrer immer wieder von Sturmböen erfasst, auch waren sie mehrfach kurzen Regenschauern ausgesetzt, was das Fahren nicht unbedingt angenehmer gestaltete.

Durch die einsetzende Müdigkeit entschloss sich Takacs aus Sicherheitsgründen einige Stunden alleine zu fahren. Die zunehmende Erschöpfung, der Regen und die Kälte setzten ihm stark zu. So dachte er die am Rand stehenden Feuerlöscher wären kleine Zwerge mit Zipfelmützen, welche ihn bei jeder Vorbeifahrt auslachen würden.

Die beleuchtete Spitzengruppe nahm er sogar als entgegenkommenden TGV wahr und fuhr fast in die Abschrankung aus Autoreifen, als er sich in Sicherheit bringen wollte.

Die Rundenzeiten fielen in den Keller, dies blieb Schnelli, der in der Boxengasse eine kurze Ruhepause einlegte, nicht verborgen. Bei ihm schrillten die Alarmglocken, sofort beorderte er seinen erschöpften und durchfrorenen Sportsfreund in die Boxengasse.

Mit Pasta, schwarzem Kaffee und neuen, trockenen Radklamotten versuchte er, den völlig entkräfteten und demoralisierten Rennfahrer wieder aufzumöbeln.

Gemeinsam mit dem Bike Adventure Tours-CEO Chris Schnelli als Edelhelfer ging es nach dem kurzen Boxenstopp wieder auf die Rennstrecke. Schnelli drückte den Schnitt wieder auf über 30 km/h und in seinem Windschatten erholte sich Takacs von Runde zu Runde und fuhr mental gestärkt dem Sonnenaufgang entgegen.

Ehrenvoller Podestplatz für das Bike Adventure Team


Sechsstündiger Endspurt

Mit der einsetzenden Morgendämmerung und Musik von Joe Cocker, Kraftwerk und den Beach Boys in den Ohren fand Takacs wieder zur alten Stärke zurück, und während seine Konkurrenten abbauten, machte er Rang für Rang gut. Nach 205 Runden und vierundzwanzig Stunden war dann endgültig Schluss.

"Ich realisierte, dass die 750-km-Marke in Reichweite war und mobilisierte meine letzten Kräfte. In den letzten Stunden kämpfte ich nur noch gegen mich selber, den Schmerz, die Monotonie und die Müdigkeit", rezitiert Takacs fast philosophisch.

Ende gut, alles gut

Das ganze Unternehmen konnte am Schluss äusserst erfolgreich abgeschlossen werden, so knackt der Obfelder Takacs genau die 750-km-Marke. Dies bedeutete den zweiten Rang in seiner Alterskategorie AK3, sowie den siebten Gesamtrang inmitten der Ultracycling-Elite.

Chris Schnelli absolvierte als radelnder Mentalcoach und Verpflegungsspezialist "so ganz nebenbei" 303 km und beendete das Rennen auf dem guten 42. Gesamtrang, also dem 15. Rang in seiner Alterskategorie.

Insgesamt absolvierten alle Teilnehmer zusammen 18'610 Runden, was 68'857 Kilometern entspricht, Dimensionen welche unglaublich sind.

Mit bestem Dank für den tollen Rennbericht an Rennteilnehmer Bela Takacs. Herzlichen Glückwunsch zur tollen Leistung!

Resultate: my5.raceresult.com/59379/

Radrennen: http://velofondo.de/

Sportarena: http://www.motorsportarena.com/