18.02.2021

Interview: Bike-, Trekking- und Safari-Reise in Tansania

News

Geschäftsführer und Guide Adi Glättli ist soeben von einer Bike-, Trekking- und Safari-Reise aus Tansania zurückgekehrt und schildert uns in einem Interview seine Erlebnisse.

Adi, was sind deine Eindrücke von deiner Reise nach Tansania?

Wir haben ein vielseitiges und abwechslungsreiches Reiseprogramm erlebt. Es war richtig schön, wiedermal neue Begegnungen und Entdeckungen zu erfahren. Sehr freundliche und offene Menschen erwarteten uns und haben uns ihr Land mit seinen verschiedenen Sehenswürdigkeiten und wunderschönen Landschaften gezeigt. Mit dem Bike unterwegs zu sein ist einfach fantastisch, die Geschwindigkeit und die Nähe zu den Menschen ist immer wieder eine grosse Bereicherung für mich während der Reise.

Das Trekking auf den höchsten Berg in Afrika war eine spezielle Herausforderung und zugleich eine tolle Ergänzung nach dem Biken. Und die anschliessende Safari war besonders genussvoll: Wir konnten ausruhen und gleichzeitig viele schöne Tiere beobachten. Am liebsten wäre ich noch länger geblieben.

Bike-Safari in Tansania

Ihr habt den Kilimanjaro mit dem Bike umrundet, was hattet ihr für Erlebnisse?

Unsere Bikereise rund um den Kilimanjaro hat mir sehr gut gefallen. Die Strecken führen durch Ackerland, Regenwald, Dörfer und weite Landschaften der Massai mit ihren grossen Rinder- und Schafherden. Nur eines bleibt die ganze Biketour gleich, der Blick auf den grossen Berg über die Schulter! Unsere Unterkünfte haben einen breiten Komfortbereich abgedeckt. Selbst die einfachste Zeltunterkunft auf dem Schulplatz war passend zur Region und zur Stimmung auf der Rundreise. Für eine Nacht verzichte ich gerne auf etwas Komfort und schätze die nächsten Bekömmlichkeiten umso mehr. Ganz besonders war die Massai Lodge, wo wir mit traditionellen Tänzen und Gesang empfangen wurden. Überraschende Highlights waren natürlich die Tier-Begegnungen auf dem Bike, wie mit Zebras, Giraffen, Gnus und Antilopen.

Massai Welcome-Tanz in Tansania

Der Kilimanjaro ist der höchste Berg in Afrika, wie erging es euch bei der Besteigung?

Wir waren alle sehr gespannt, was uns jetzt erwarten wird. Solche Besteigungen in grössere Höhen sind ja bekannt für unerwartete persönliche Grenzerfahrungen. Es gibt drei Punkte auf dem Kilimanjaro, welche als Ziel oder Zwischenziel bevorstehen. Der Gillman’s Point auf 5685 m am Kraterrand war für mich die Schlüsselstelle. Hast du mal diesen Punkt erreicht, sind die folgenden Anstiege eigentlich nicht mehr schwierig. Stella Point auf 5756 m ist zwar nicht weit und nicht viel höher, wer aber bereits körperlich an seine Grenzen kommt, hat hier keine Lust mehr auf den Gipfel. Der Uhuru Peak mit seinen 5895 m erscheint ebenso nah, aber selbst dieser Spaziergang ist in der dünnen Luft nicht mehr selbstverständlich. Wer die Herausforderung auf diesen Berg annimmt, sollte frei sein von irgendwelchen Ängsten und zwingenden Zielen.

Ich hatte mit meiner Damavand-Besteigung im Iran (5610 m) zwar bereits eine Erfahrung in ähnlicher Höhe, doch ist dies keine Gipfel-Garantie. Meine persönliche Verfassung war hier am Kili schlechter und ich hatte in der letzten Hütte auf 4750 m nicht mehr richtig schlafen können. Der Aufstieg zum Kraterrand mitten in der Nacht wurde darum meine grösste Herausforderung. Nach jedem Schritt atme ich ein und aus, dann mal ein kurzes Stehen an Ort und prompt schlief ich im Stillstand immer wieder ein. Den Gipfel habe ich schlussendlich erreicht und belohnt wurde ich mit reinem innerlichem Glück. Die Sicht war total vernebelt und hinter der Tafel auf der Bergspitze waren knapp 10 Meter sichtbar. Egal welcher Gipfel du erreichst, schlussendlich zählt die gewonnene Zufriedenheit, ein Moment der sich schwerelos anfühlt und glücklich macht.

Trekking auf den Uhuru Peak auf dem Kilimanjaro

Welches war dein persönlicher Höhepunkt der Reise?

Wortwörtlich natürlich der Gipfel auf dem Kilimanjaro! Ich habe die Besteigung nicht so intensiv erwartet und nehme es so als bleibende Erinnerung an. Doch haben mich auch die vielen Tiere im Ngorongoro Krater überwältigt. Da kamen vier Löwen-Damen genau auf unseren Jeep zu. Sie kamen von weit her, haben die Piste überquert und sind unmittelbar bei mir durchgelaufen. Uff, das war ein Nervenkitzel, obwohl wir im Jeep gut geschützt waren. Es passierte zuerst ganz langsam und nahm schnell Dynamik an und mein Teleobjektiv war plötzlich nicht mehr nötig. Ein dritter Höhepunkt war die ganze Bikereise, denn durch diese Tage haben wir das Land und die Leute am besten kennengelernt, waren abseits und gleichzeitig am echten Puls des Lebens.

Löwen beim Ngorongoro Krater

Hattet ihr die Möglichkeit für spannende Begegnungen mit der lokalen Bevölkerung?

Während der Biketour kamen viele schöne Begegnungen zu Stande. Zum einen waren die Massai sehr spannend und zum anderen aber auch die vielen Kinder am Strassenrand und in der Schule, wo wir übernachtet haben. Die herzlichen Leute schenkten uns schnell ein Lächeln und waren stolz, dass wir uns für sie interessieren

Afrikanischer Bananenmarkt

Welche Person hat dich am meisten beeindruckt?

Die vielen Menschen, die alle Arten von Lasten auf ihrem Kopf balancieren. Da sind die vielen Frauen auf dem Bananenmarkt auffallend, welche bis 20 kg tragen. Aber auch die Wasserträger, welche die Wassertanks in ihren Häusern auffüllen. Und natürlich die vielen Porter auf dem Kilimanjaro. Alle laufen sie diese Strecken mit einer Leichtigkeit, ermöglichen uns dadurch grossen Komfort während der Besteigung, mit frischer Verpflegung in den Hütten und nehmen uns eine grosse Last mit zusätzlicher Ausrüstung ab. Unser Bikeguide Priscus hat uns nicht nur auf der Biketour geführt, er war auch unser Bergsteiger-Guide, und beide Mal hat er einen wesentlichen Beitrag zu dieser wunderschönen Reise geleistet.

Büffel beim Ngorongoro Krater

Welche Vertreter der afrikanischen Tierwelt habt ihr gesehen?

Von den berühmten «Big Five» fehlt uns nur der Leopard. Elefanten, Nashörner, Löwen und Büffel haben wir glücklicherweise im Ngorongoro Krater gesehen. Im Tarangiere Nationalpark waren die Giraffen die grössten Schauspieler. Nicht weniger witzig sind die Warzenschweine, denn sie rennen mit hochgestelltem Schwanz der einer Funkantenne gleicht. Genauso spannend waren aber auch die zahlreichen Beobachtungen der Zebras, in grossen Herden oder mit Jungtieren aus allen Distanzen. Die verschiedenen Arten der Antilopen, wozu übrigens auch das Gnu gehört, waren aufmerksam, flink und schnell. Viele bunte Vögel, nicht nur der grosse Marabu oder Flamingos, auch Hornvögel und Kraniche waren zu sehen. Meine Fotosammlung ist entsprechend gross ausgefallen, alleine durch die Tierbegegnungen gibt das viele schöne Fotoerinnerungen.

Gestärkt mit frischen Früchten

Welche lokalen Spezialitäten habt ihr gegessen und getrunken?

In Tansania gibt es das berühmte Ugali, dass auch über Ostafrika hinaus bekannt ist. Dies ist ein einfacher Maisbrei als Hauptnahrungsquelle (getrocknetes Maismehl, Wasser und Salz), der traditionell auch von Hand gegessen wird und gleichzeitig als Löffel für Gemüse, Fleisch und Saucen dient. Beim Getränk sei der lokale Kaffee zu erwähnen, der mit frisch gerösteten Bohnen besonders intensiv schmeckt. Als grosser Früchte-Liebhaber bin ich auf der Reise zur richtigen Saison unterwegs auch noch auf meine persönlichen Vorlieben gekommen: Frische Avocados und Mangos habe ich bis zum Abreisetage vergöttert, da sie direkt vom Baum gepflückt, einfach am besten zu geniessen sind.

Wo habt ihr jeweils geschlafen?

Während der Biketour um den Kili hatten wir einfache Hotels, authentische Lodges, teils in Fixzelten und eine einfache Zeltnacht. Die Hütten auf der Kili-Besteigung sind einfach, sauber und praktisch, genau richtig für einen warmen Schlafsack. Die Safari-Lodges waren dann wieder purer Komfort, schön gepflegt und ebenso authentisch. Das Leben findet hauptsächlich draussen seinen täglichen Lauf und so sind die Unterkünfte zwar wichtig und angenehm zum Schlafen, aber ausser auf der Safari nicht für lange Aufenthalte geplant.

Elefanten beim Lake Manyara

Erzähle von einem witzigen, peinlichen oder gefährlichen Moment.

Das Regenwetter am Lake Manyara war für unsere Pirschfahrt nicht besonders hilfreich. Die Paviane sassen ganz bedrückt und regungslos auf den Steinen am Strassenrand und wir hatten schon die Hoffnung auf weitere Tierbegegnungen aufgegeben. Unser versierter und langjähriger Safari-Fahrer musste zugestehen, dass er dieses Gebiet noch nie ohne Elefantensichtungen durchquert hat. Wir lachten leise und schlossen die Dachluke, damit wir nicht ganz komplett nass werden. Kaum war das Dach zu, standen zwei ausgewachsene Elefanten und ein Jungtier auf der Strecke direkt vor uns. Jetzt lachte auch unser Driver und er war überglücklich, dass er uns – und sich selbst – nicht enttäuschen musste.

Bike Adventure Tours Guide Kurt Hegglin

Euer Guide war Kurt Hegglin, der im Oktober/November 2021 auch die Jubiläumsreise in Tansania leiten wird. Was zeichnet Kurt als Guide aus?

Guide Kurt Hegglin kennt Tansania schon über 30 Jahre und hat dadurch eine enorm grosse Erfahrung vor Ort. Zudem weiss er viel über Land und Leute, kennt auch viele Personen persönlich. Er pflegt die Kontakte zu Einheimischen gerne und hilft vielen lokalen Menschen vor Ort. Natürlich kennt er fast jede Ecke und kann spontan die Routen anpassen und hat immer eine passende Alternative bereit.

Warum sollten Interessenten diese Reise nach Tansania planen?

Wer sich gerade in der jetzigen Zeit nach Abwechslung sehnt, findet in Tansania neben der freundlichen Bevölkerung auch eine artenreiche Tierwelt. Aktuell reisen nur wenige Touristen und die Einheimischen, die vom Tourismus leben, sind sehr dankbar, wenn sie uns in ihrer Heimat begleiten dürfen.

Welches ist dein nächstes Reiseprojekt?

Da sind verschiedene Bikereisen geplant, im April wäre es die neue Gravel-Bikereise in Marokko, eine unserer Jubiläumsreisen im 2021.

 

Reiseleiter-Profil: Adi Glättli
Reiseinfos: Tansania: Kilimanjaro Bike und Hike