27.10.2020

Erlebnisbericht Bikereise Azoren während Corona

News

Kann man während der Corona-Pandemie reisen und biken? Wie sind die Erfahrungen? Unser Reiseleiter Pesche Fahrni ist kürzlich von seiner Bikereise von den Azoren heimgekehrt und schildert uns seine Eindrücke der Tour.

 

Endlich wieder auf Reisen

Juhuii wieder Reisen! Nach dem Lockdown im März trifft sich ein erwartungsvolles Trüppchen Mitte September maskiert am Flughafen in Zürich. Alle mit negativem Coronatest im Sack. Den brauchen wir bei der Einreise. Die Online Registrierung bei der Gesundheitsbehörde der Azoren hat zwar nicht bei allen geklappt. Unsicherheit ist da. Schauen wir also bei der Einreise was passiert!

Bikereise Azoren während Corona

 

Beliebte Flugverbindung

Der Flieger nach Lissabon und nach Ponta Delgada, der Hauptstadt der Azoren, ist jeweils komplett voll. Neu gibt es nichts mehr zu essen und nur noch ein Wasser als Getränk. Eigentlich erstaunlich während der Coronazeit.

Tatsache ist aber, dass es viel weniger Flugbewegungen gibt und Portugal mit den Azoren eines der wenigen bereisbaren Länder Europas ist. Hoffentlich steckt sich niemand an im Flieger oder unterwegs. Zu diesem Zweck muss sich jeder Passagier noch einmal registrieren zur Nachverfolgung. Dazu müssen wir auf den Inseln nochmals zum Nachtest… und die Maske ist im Flieger und am Flughafen Pflicht. Hmm, haben wir uns wirklich richtig entschieden diese Reise anzutreten?

Einreiseprozedur

Natürlich sind wir in Ponta Delgada mit den Bikes die letzten die aus der Ankunftshalle treten. Die Warteschlange zur Covid-Einreiseprozedur ist lang! Wir stellen uns an. Schon bald erscheint ein total verhüllter Corona-Alien und erteilt uns die notwendigen Anweisungen. Anspannung und Nervosität ist spürbar. Ist mein Covid Test gültig? Meine Online-Registrierung hat nicht geklappt, hoffentlich gibt es keine Probleme. Dann wird noch die Körpertemperatur gemessen. Keinesfalls husten! Nach ca. 1,5 h haben es alle geschafft. Wir sind drin – ein neues Glücksgefühl während Corona!

Bikegruppe auf den Azoren

 

Maske als wichtigstes Utensil

Es reicht noch knapp zum Abendessen im Hotel. Die Maske ist ab sofort Sackbefehl. Auch bei unserem Transfer im Bus herrscht Maskenpflicht. Wieder Fiebermessen, um ins Hotel zu kommen. Wenigstens am Tisch beim Abendessen können wir die Maske weglegen. Wir erhalten eine Papiertüte zur Aufbewahrung des neuen wichtigen Utensils. Ein erstes Gesprächsthema an der Tischrunde: Wie bewahre ich die Maske auf? Wie falte ich sie zusammen? Die Meinungen sind verschieden.

Auf den Azoren wie auf dem Festland in Portugal herrscht innerhalb von Gebäuden und geschlossenen Räumen Maskenpflicht. Im Hotelzimmer, sowie am Tisch im Restaurant kann die Maske weggelegt werden. Maske auf, Maske ab, Maske auf – da muss man sich zuerst daran gewöhnen. Sogar im offenen Zodiac beim Whale Whatching (jedenfalls am Hafen) ist Maskenpflicht. Wenigstens relaxen wir beim Biken ohne Maske.

Die neue Normalität

Alles braucht ein bisschen mehr Zeit. Frühstück gibt’s meistens erst etwas später. Das Buffet entfällt, es muss individuell bestellt werden, was wiederum mehr Zeit in Anspruch nimmt. Im Laden ist die Anzahl der Gäste beschränkt. Die Bars schliessen um 22.00 Uhr. Aber die Bars werden zu Restaurants umfunktioniert, man bestellt einfach am Tisch und schon darf länger geöffnet sein. Das Essen, der portugiesische Wein, das Kima und das «Aguardente» (als Viruskiller?!) schmeckt genauso wie vor Coronazeiten.

Die wenigen Touristen sind überall herzlich Willkommen, auch wenn zuweilen etwas anderes gesagt wird. Mit der Zeit gewöhnt man sich an alles und es wird zur Normalität. Während Coronazeiten ist ca. 80% des Tourismus eingebrochen. Vor allem Gruppenreisen und die Kreuzfahrtpassagiere fehlen.

Erlebnisbericht Bikereise Azoren

 

Coronatest vor Ort

Am 6. Tag nach Ankunft müssen wir zum Corona Nachtest antreten. Nach unzähligen Telefonanrufen wird die ganze Gruppe zusammen um 10:30 Uhr in einem Hinterhof des «centro de saude» (Bezirkspital) in Povoação aufgeboten. Ich hatte schon befürchtet, dass wir alle separat zum Test müssen und somit ein Biketag flöten geht. Nichts da! Wir werden wiederum von sehr netten vollkostümierten Covid-Aliens erwartet. Alle Teilnehmer schön aufgelistet.

Der Test in Nase und Rachen dauert pro Person 5 min. Resultat erfolgt per SMS oder aufs Mail. Wer positiv ist darf für 14 Tage auf Staatskosten nach Ponta Delgada ins Quarantänehotel. Alle in unserer Gruppe waren negativ, so nehme ich es an, denn nicht alle haben das Resultat erhalten. Jedenfalls wurde anschliessend niemand von der Gesundheitsbehörde respektive der Polizei gesucht.

Ende gut alles gut. Wir haben trotz Covid wieder eine einmalige Bikereise auf den Azoren erlebt. Alle waren super happy teilgenommen zu haben und glücklich über die Luftveränderung.

Azoren – wir kommen wieder - mit oder ohne Covid.

Nachtrag und Gedanken zur aktuellen Situation

Es ist jetzt eine Woche her seit unsere Biketruppe aus São Miguel, der Hauptinsel der Azoren, zurückgekehrt ist. Inzwischen hat das BAG Portugal inklusive der Azoren auf die Quarantäneliste genommen. Glück gehabt!  Als Autor dieses Covid-Reiseberichts, Reiseleiter und Touristiker sage ich nur, dass es für die Tourismusindustrie fast unmöglich ist, in vernünftigem Rahmen Reisen zu planen. Man weiss nie was passiert. Alle 14 Tage werden Einreisebedingungen geändert. Die Behörden der Azoren geben sich mit strengen Einreise- und Sicherheitsbestimmungen die grösste Mühe, ein wenig Tourismus zu generieren. Schliesslich lebt über 50% der Inselbevölkerung von einem sanften Tourismus. Mit Beschränkungen unwissender Behörden von einigen Ländern wird dem serbelnden Tourismuspflänzchen jeglicher Nährboden entzogen. Fact ist, dass eine mögliche Ansteckung auf den Azoren viel geringer ist als in der Schweiz.

Erlebnisbericht: Reiseleiter Pesche Fahrni, September 2020

Reiseinfos: www.bike-adventure-tours.ch/rad-mountainbike-reisen/azoren-portugal/